Die Zahl der Toten stieg bis zum Abend auf 88. Weitere 136 Menschen wurden verletzt, berichtete der arabische Fernsehsender al-Dschasira. Das ägyptische Tourismusministerium teilte mit, sieben Ausländer seien unter den Toten. Bisher seien ein Italiener und ein Tscheche identifiziert worden. Es gebe keinerlei Hinweise, dass sich Deutsche unter den Todesopfern befinden, berichtete das Tourismusministerium in Kairo weiter.
Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte in Berlin, unter den Verletzten seien auch deutsche Touristen. Zahlen nannte er nicht. Die deutsche Botschaft in Kairo schickte ein Team auf die Sinai-Halbinsel. Die Diplomaten sollen sich um möglicherweise betroffene deutsche Touristen kümmern. Die Bundesregierung verurteilte die Anschläge auf das Schärfste.
Zeugen beobachten Selbstmordattentäter
Bei drei Explosionen, die sich kurz nach Mitternacht in dem Badeort am Roten Meer ereigneten, wurden zwei Hotels erheblich beschädigt. Ein Selbstmordattentäter raste Augenzeugen zufolge in die Eingangshalle des Ghazala Hotels. Dabei tötete er einen Wachmann, der ihn aufhalten wollte. Ein Teil des Hotels stürzte ein. Die Hotels befinden sich in der Naama Bay rund sechs Kilometer von Scharm el Scheich entfernt. Eine weitere Bombe explodierte an einem belebten Marktplatz in der Stadt.
Eine Gruppierung, die nach eigenen Angaben mit dem Terrornetzwerk al-Kaida in Verbindung steht, bekannte sich im Internet zu den Anschlägen. In einer Erklärung schrieb die Gruppierung namens Abdullah-Assam-Brigaden in Syrien und Ägypten, ihre "heiligen Krieger" hätten das Hotel Ghazala Gardens und den Alten Markt in Scharm el Scheich angegriffen. Die Authentizität der Erklärung konnte zunächst nicht geklärt werden.
Auswärtiges Amt recherchiert
Das Auswärtige Amt in Berlin wie auch die großen deutschen Reiseveranstalter hatten zunächst kaum Erkenntnisse über betroffene deutsche Touristen. Der TUI-Konzern wollte noch am Abend deutsche Urlauber mit zwei Sondermaschinen aus der ägyptischen Ferienregion ausfliegen. Bisher hätten sich rund 250 der insgesamt etwa 1600 TUI-Kunden in der Region für eine Rückreise entschlossen. Insgesamt halten sich derzeit etwa 2500 deutsche Urlauber in Scharm el Scheich auf, wie TUI, Thomas Cook, Dertour und Meier's Weltreisen mitteilten.
Mehrfach Anschläge auf Touristenziele
Der ägyptische Präsident Husni Mubarak besuchte den Badeort am Roten Meer nur wenige Stunden nach der blutigen Anschlagsserie und sprach von einer "feigen, verbrecherischen Tat, die darauf abzielt, die Sicherheit und Stabilität Ägyptens zu untergraben und der Bevölkerung und den Gästen zu schaden".
Die Anschläge sind die verheerendsten in Ägypten seit annähernd einem Jahrzehnt. Zumeist radikal-islamische Extremisten haben in der Vergangenheit schon mehrfach Anschläge auf Touristenziele in Ägypten verübt, um das auf Einnahmen aus dem Tourismusgeschäft angewiesene Land zu destabilisieren. 1997 war der Tourismus in dem Land zeitweise zusammengebrochen, nachdem Moslem-Extremisten Touristen im Nil-Tal in der Nähe von Luxor mit Feuerwaffen und Schwertern angegriffen und 58 Touristen und vier Ägypter getötet hatten.
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