FTD.de » Politik » International » Merkel gibt Entwicklungsländern Mitschuld an Nahrungskrise

Merken   Drucken   17.04.2008, 17:27 Schriftgröße: AAA

Merkel gibt Entwicklungsländern Mitschuld an Nahrungskrise

Für den rasanten Anstieg der Nahrungsmittelpreise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine eigene Erklärung. Ihrer Ansicht nach wird die Preisentwicklung durch die Politik der Entwicklungsländer und neue Essgewohnheiten mitverursacht.
Der Anstieg sei im Wesentlichen nicht auf Biosprit zurückzuführen, sondern auch auf die "sehr unzureichende Agrarpolitik in den Entwicklungsländern" und "nicht ausreichend prognostizierte Ernährungsgewohnheiten" in Schwellenländern, sagte sie am Donnerstag in Freiberg in Sachsen. Wenn die Inder plötzlich doppelt soviel Nahrungsmittel verbrauchten wie zuvor und 100 Millionen Chinesen damit begännen, Milch zu trinken, verzerrten sich die Milchquoten.
Bilderserie Bilderserie: Der Aufstand der Hungrigen
Merkel widersprach damit Darstellungen etwa der Weltbank, aber auch von Politikern etlicher Länder und der deutschen Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). So heißt es in einer Weltbank-Studie, die steigende Biospritproduktion habe teils erheblich zum Anstieg der Nahrungsmittelpreise beigetragen. Wieczorek-Zeul hatte von Studien gesprochen, die der Biospritproduktion 30 bis 70 Prozent der Schuld für den Anstieg der Agrarproduktpreise geben. Sie hatte daher eine Überprüfung der Beimischungspflichten für Biosprit gefordert.
Regierung Haitis stürzt nach Unruhen
In mehreren Entwicklungsländern war es wegen eines starken Anstiegs etwa des Reis-Preises zu Unruhen gekommen. In Haiti stürzte die Regierung nach tagelanger Gewalt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte vor politischen und sozialen Gefahren des Preisanstiegs gewarnt, der die Existenz Tausender Menschen bedrohe.
Der frühere Uno-Umweltdirektor Klaus Töpfer kritisierte die Industrieländer. Der Entwicklungsprozess sei an vielen Stellen behindert worden, weil hoch subventionierte Nahrungsmittel aus hoch entwickelten Ländern in Entwicklungsländer exportiert worden seien, sagte er dem Deutschlandradio. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sieht in dem Preisanstieg eine Chance für Landwirte weltweit, die auch Konsumenten nutze. "Für den Verbraucher ist es dann gut, weil Versorgungssicherheit gegeben wird", sagte er in Berlin. Die Nahrungsmittel reichten derzeit weltweit aus.
Von der Nahrungsmittelknappheit sind besonders Menschen in den ...   Von der Nahrungsmittelknappheit sind besonders Menschen in den Entwicklungsländern betroffen
Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem Ende des rasanten Preisanstiegs von Getreide auf den Weltmärkten. Es gebe Anzeichen dafür, dass sich die Lage in den kommenden Monaten "nicht weiter zuspitzt", heißt es im Frühjahrsgutachten, das die acht Forschungsinstitute in Berlin vorstellten. Die Forscher gehen nach schlechteren Ernten in Europa und Dürre in Australien von einer Normalisierung aus. Dazu kämen zusätzliche, bisher nicht genutzte Flächen in Europa, Lateinamerika und Mittelasien. Außerdem werde die Nachfrage voraussichtlich langsamer steigen als bisher.
Unter der Annahme, dass auch Spekulanten die Preise nach oben getrieben haben, halten die Forscher eine Preissenkung für denkbar. Die Weltmarktpreise für Getreide hatten im März Rekordstände verzeichnet. Angesichts teurerer Rohstoffe waren auch die Lebensmittelpreise kräftig geklettert, was in einigen ärmeren Ländern zu Unruhen führte.
  • FTD.de, 17.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Massaker in Syrien: Russen, bewegt euch endlich

    Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote