Üblicherweise dauert die Schonfrist 100 Tage, bevor man einen Politiker nach Amtsantritt bewertet. Doch die ist dem neuen französischen Staatspräsidenten nicht vergönnt. Denn die Euro -Krise verschärft sich wieder und verlangt nach einer Lösung - und hier hat François Hollande dezidiert andere Vorstellungen als Angela Merkel. Die Kanzlerin lässt ihn mit seiner Forderung nach Eurobonds knallhart auflaufen.
Schon eine Woche nach Hollandes Amtseinführung, seinem ersten Auslandsbesuch in Deutschland und einem einzigen G8-Gipfel in Chicago ist offensichtlich: Zwischen Paris und Berlin gibt es einen Achsbruch. Durch den Regierungswechsel haben sich auch in Europa die Gewichte verschoben. Und Merkel hat Probleme, damit umzugehen.
Die Kanzlerin war es die letzten Jahre gewohnt, im Euro-Zirkel deutsche Positionen pur zu vertreten und am Ende weitgehend durchzusetzen. Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy dirigierte sie meist in die Richtung, die ihr genehm war. Frankreichs neuer Staatspräsident ist eigenwilliger: Er lässt seine Ideen nicht gleich fallen, wenn Merkel blockt. Die heimliche Sympathie vieler Euro-Regierungschefs ist ihm dabei sicher. Sie finden es gut, wenn die Kanzlerin Europa nicht mehr so eindeutig dominiert.
Allerdings dürfte der kühle Umgang zwischen Hollande und Merkel auch taktischer Natur sein. In Frankreich stehen Mitte Juni noch Parlamentswahlen an. Der Präsident kann deshalb noch nicht von seinen Wahlkampfpositionen abrücken. Und die Kanzlerin wird keine Zugeständnisse machen, ehe nicht klar ist, was für Hollande tatsächlich unverrückbar ist.
Der Euro-Gipfel am Mittwoch wird deshalb von Diskrepanzen geprägt sein, was nicht tragisch ist. Brenzlig wird es erst, wenn beide sich nach der Frankreich-Wahl nicht zusammenraufen. Ohne intakte deutsch-französische Achse fährt Europa vor die Wand.
Es gibt keine Alternative mehr, den Euro zu retten. Die Eurobonds sind das kleinere Übel!
Ist das Wort Sozialismus, nicht schon in der Vergangenheit der deutschen Geschichte strapaziert worden?