Coltan - der strategische RohstoffDas Pentagon klassifiziert Coltan sogar als strategischen Rohstoff. Der New-Economy-Boom ließ den Preis vergangenes Jahr von rund 33 $ auf bis zu 175 $ pro Pfund steigen. Mittlerweile ist er wieder auf 75 bis 95 $ gesunken.
Doch das gut organisierte Geschäft ist noch immer lukrativ. Die kongolesischen Gräber, die ohne Sicherheitsmaßnahmen und unter Einsatz ihrer Gesundheit Coltan aus der Erde holen, bekommen etwa 10 $ pro Kilo. Teile des Nationalparks Kahuzi-Biega, in dem einige Tausend Elefanten und Flachlandgorillas lebten, sind von den Gräbern zerstört worden.
Der illegale Handel mit Rohstoffen heizt die Kriege in Afrika erst richtig an, klagen Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen. In den Bürgerkriegsgebieten wird alles verschoben, was sich zu Geld machen lässt: Tropenholz, Edelsteine, Gold, Kupfer, Coltan. Die so entstandenen Schattenwirtschaften dienen nur einem einzigen Zweck: den Krieg zu finanzieren.
In Devisen lässt sich der Umfang des illegalen Rohstoffhandels insgesamt kaum schätzen. Denn nicht immer wird mit Geld gehandelt. Besonders Diamanten werden oft direkt gegen Waffen eingetauscht; im westafrikanischen Sierra Leone zum Beispiel, wo die Diamanten als besonders hochwertig gelten.
Im vergangenen Jahr wurden Schätzungen des Weltmarktführers De Beers zufolge weltweit Diamanten im Wert von 7,5 Mrd. $ produziert. "Zwischen 4 und 15 Prozent der Diamanten auf dem Weltmarkt sind Konflikt- oder Blutdiamanten", so die Menschenrechtsorganisation Medico International (MI) - Steine, die illegal von Rebellengruppen gefördert und gehandelt werden.
MI zufolge sollen allein die Unita-Rebellen in Angola von 1992 bis 1998 durch Diamantenverkäufe 3,7 Mrd. $ verdient haben. Werden die Steine nicht getauscht, wäscht man die Erlöse wie in allen anderen Bereichen der Organisierten Kriminalität über Banken und Privatfirmen.
Um den Handel mit den Blutdiamanten einzudämmen, hat die Uno 1998 ein Embargo gegen Angola, voriges Jahr eines gegen Sierra Leone verhängt. Aber die Sanktionen können leicht umgangen werden, indem die Steine über die Nachbarländer exportiert werden.
So erklärt sich zum Beispiel, dass die Diamantenexporte Ruandas in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen sind - obwohl das Land gar keine Diamanten fördert.