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13.06.2011, 20:04
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Möchtegern-Widerstandssymbol:
Damaskus-Bloggerin outet sich als Amerikaner
Wer ihr Blog las, konnte meinen, bei der Revolte in Syrien mit dabei zu sein: Amina Arraf wurde für viele zum Symbol für den Kampf gegen das Assad-Regime. Doch das "Gay Girl" war weder lesbisch, noch ein Mädchen, und schon gar nicht in der syrischen Hauptstadt.
von Sabine Muscat Washington
"Der Vogel fliegt frei, kennt keine Grenzen. Grenzen bedeuten nichts, wenn man Flügel hat." Wenige Stunden vor ihrer Verhaftung veröffentlichte die syrische Regimekritikerin Amina Arraf diese Gedichtzeilen. Am 6. Juni wurde die Bloggerin in Damaskus von drei Männern in ein Auto gezerrt, ihre Cousine Rania Ismail unterrichtete die Fangemeinde über die Entführung der 35-Jährigen.
Nichts davon ist echt. Tom MacMaster, ein 40-jähriger Amerikaner, behauptet, er habe Arrafs Blogger-Identität und auch die Verhaftung erfunden. "Ich habe großes Chaos angerichtet", sagte er der Financial Times. Er bedauere, dass er einige Menschen "sehr verletzt" habe. "Ich weiß, dass ich möglicherweise auch der Sache geschadet habe, die ich unterstütze."
Nichts ist, wie es scheint: Auf einer Facebook-Seite setzen sich Tausende für die Freilassung der angeblichen syrischen Regimegegnerin Amina Arraf ein - doch die gibt es gar nicht
Die angeblichen Nachrichten einer unterdrückten Syrerin habe er im schottischen Edinburgh verfasst, wo er seit dem vergangenen Herbst mit seiner Frau lebt und einen Masterstudiengang belegt, schreibt er in seinem Blog. Er habe "einen Namen erfunden, in dem ich sprechen konnte, um das Augenmerk auf die aktuelle Lage zu lenken". Motiviert habe ihn seine Vergangenheit als erfolgloser Autor: "Nach all den Jahren voller Ablehnungsschreiben erhielt ich plötzlich viel gutes Feedback. Das hat sicherlich meine Eitelkeit gefördert", sagte er der Financial Times.
Unter dem Blogger-Namen "A Gay Girl in Damascus" war die vermeintliche Arraf zu einem Symbol des Widerstands einer neuen Generation von Syrern geworden. Sie hatte mehr als 800 regelmäßige Leser, die ihre heimlichen Reisen durch Syrien über Twitter verfolgten. Die US-Zeitschrift "Time" pries sie als "ehrliche und nachdenkliche Stimme der Revolution (...) in einem Land, das Homosexualität verbietet".
Teil 2: Beschimpfungen auf Facebook
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Aus der FTD vom 14.06.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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