Eine zerstörte Industrieanlage in Norden Japans
Volkswirte sind sich einig, dass die Weltwirtschaft die Erdbebenkatastrophe verkraftet. Ein Dominoeffekt wie nach der Lehman-Pleite, in deren Folge das weltweite Finanzystem in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist nicht in Sicht. Die Exportnation Japan wird auch vom Boom in den Schwellenländern profitieren.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt die Auswirkungen als moderat ein. Der demnächst beginnende Wiederaufbau werde einen gewaltigen Investitionsschub auslösen und die Konjunktur wieder ankurbeln, teilte das arbeitgebernahe Institut in Köln mit.
Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befürchtet keine ernsten Folgen für die Weltwirtschaft. "Ich sehe keine Gefahr, dass die Weltwirtschaft erneut in eine Rezession abgleitet", sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der Nachrichtenagentur Reuters.
Nach Überzeugung von Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel ist die Weltwirtschaft robust genug, die ökonomischen Folgen zu schultern. Selbst wenn der schlimmste Fall eintreten sollte und der Großraum Tokio infolge einer Kernschmelze in Atomkraftwerken evakuiert werden müsste, halte er eine neue weltweite Krise für ausgeschlossen, sagte Bargel: "Das würde nicht zu einem weltweiten Abschwung führen oder gar zu einer globalen Rezession."
Japan sei stark mit asiatischen Volkswirtschaften verflochten. Das werde sich kurzfristig negativ auswirken, weil das Land als Importeur und Lieferant von Vorleistungsgütern für die Produktion ausfallen werde. "Ab der zweiten Jahreshälfte neutralisiert sich das aber wieder, weil Japan sehr stark auf Importe angewiesen sein wird, etwa auf Stahlprodukte aus China." Die Verflechtungen mit Deutschland oder den USA seien dagegen nicht groß. 54 Prozent der japanischen Ausfuhren fließen den Angaben zufolge inzwischen in den asiatischen Raum. Von dort kommen 45 Prozent der Importe. Allein nach China gehen 19 Prozent der Exporte, von dort kommen 22 Prozent der Einfuhren.
Das Kieler Institut für Weltwirtschaft sieht globale Risiken höchstens, falls sich mehrere Länder von der Atomenergie verabschieden sollten. "Dann würden die Ölpreise steigen und es gebe am Energiemarkt einen Umbruch. Das hätte dann eine größere Bedeutung für die Weltwirtschaft", sagte IfW-Präsident Dennis Snower in einem Reuters-Interview.