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Merken   Drucken   16.11.2010, 08:00 Schriftgröße: AAA

Nachlese: Vertane Chance der G20 in Seoul

Der G20-Gipfel in Seoul wäre die Gelegenheit gewesen, die wahren Gründe hinter den Währungsstreitereien anzugehen. Doch das haben sich die Regierungen leider nicht getraut.
© Bild: 2010 dpa Picture-Alliance
Kommentar Der G20-Gipfel in Seoul wäre die Gelegenheit gewesen, die wahren Gründe hinter den Währungsstreitereien anzugehen. Doch das haben sich die Regierungen leider nicht getraut. von Dennis Snower
Dennis Snower ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel.
Seit Wochen schwelt der Währungskrieg zwischen den USA und China. Nun bot der G20-Gipfel in Seoul die große Chance, die strukturellen Probleme anzugehen, die diesem Konflikt zugrunde liegen.
Dennis Snower ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft ...   Dennis Snower ist Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) an der Universität Kiel
Die Chance wurde vertan. Die Frage, wie auf das Problem der globalen Leistungsbilanzungleichgewichte angemessen reagiert werden sollte, wird frühestens auf dem nächsten Gipfel in Paris diskutiert werden. Dabei sind es genau diese Ungleichgewichte, die das Währungsscharmützel ausgelöst haben. Sie müssen behoben werden - allerdings nicht durch währungspolitische Maßnahmen, sondern vielmehr durch den Abbau nationaler Ungleichgewichte zwischen Investitionen und Ersparnis und zwischen Staatsausgaben und -einnahmen.
Was ist der Kern der gegenwärtigen Debatte?
Nun, China wird beschuldigt, den Kurs seiner Währung künstlich niedrig zu halten, um seine Exporte zu stimulieren. Konsequenz dieser Politik sind ein hoher Exportüberschuss sowie gigantische Währungsreserven. Die USA werden ebenfalls beschuldigt, ihre Währung zu schwächen, insbesondere aufgrund der jüngsten Runde des "Quantitative Easing", mit dem die Notenbank Fed über Staatsanleihenkäufe 600 Mrd. Dollar zusätzlich in den Markt pumpt. Das neu verfügbare Geld sucht sich gut verzinste Investitionsmöglichkeiten, die sich offenbar vor allem in Schwellenländern finden. Das Geld, das diese Volkswirtschaften regelrecht überflutet, sorgt dort wiederum für Inflation und droht spekulative Blasen entstehen zu lassen - etwa im chinesischen Immobilienmarkt.
Die Währungskriege in den vergangenen Monaten sind zu einem so heißen Thema geworden, weil die Erholung von der Krise der Jahre 2008 und 2009 noch nicht gesichert ist. Eine globale Double-Dip-Rezession ist nach wie vor möglich. Ein schneller und einfacher Weg, die Wirtschaft in diesen unsicheren Zeiten anzuregen, ist eine Entwertung der eigenen Währung, um dadurch den Export zu stimulieren. Das Problem dabei ist jedoch, dass dies zwecklos ist, wenn es jeder tut, weil die Abwertung einer Währung die Aufwertung einer anderen impliziert. Außerdem hat eine systematische Entwertung der eigenen Währung nationalistische, protektionistische Züge - ein Entwertungswettbewerb ist also gefährlich.
Wie sollten die G20 hierauf reagieren?
Sie sollten mit den Währungsstreitereien aufhören, bei denen sich einzelne Mitglieder in bilateralen Scharmützeln verzetteln, und vielmehr die zugrunde liegenden Ursachen identifizieren und durch klare und zielgerichtete Maßnahmen angehen. Die Gründe des Disputs liegen natürlich in den hinlänglich bekannten globalen Leistungsbilanzungleichgewichten. Um sein Leistungsbilanzdefizit zu verringern, muss China weniger sparen und mehr investieren. Durch eine Stimulierung des heimischen Konsums und der Investitionsnachfrage könnten zusätzliche Wachstumsimpulse gesetzt werden, die Chinas Exportabhängigkeit verringern würden.
Bis zur letzten Krise haben die Amerikaner zu viel konsumiert und zu wenig gespart und so die US-Wirtschaft in eine starke Importabhängigkeit geführt. Seit der Krise ist der amerikanische Konsum stark zurück gegangen und erholt sich trotz massiver monetärer und fiskalischer Impulse kaum. Hier wirken sich die weiter ungelösten Probleme des amerikanischen Hypothekenmarkts und die explodierende amerikanische Staatsverschuldung hemmend aus.

Teil 2: Was können die G20 tun, um dieses Problem anzugehen?

  • FTD.de, 16.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 17.11.2010 18:16:10 Uhr   reiner tiroch: Schnellbremsschneckenkrise

    bis sich die G20 einig sind werden viele Staaten im 3/4 takt den bach runtergehen. Die nicht vorhandene und für beendet erklärte krise war nie weg, denn sie ist unterwegs wie eine Schnellbremsschnecke. So sind auch unsere politiker.

  • 16.11.2010 09:58:09 Uhr   Thomas Müller: Mäßig sinnvoll
  • 16.11.2010 08:24:29 Uhr   Bluesbuddy: Chance vertan
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