Unmittelbar vor dem EU-Sondergipfel zu Nordafrika forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den sofortigen Rückzug von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi. Ähnlich äußerte sich Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker. "Gaddafi muss wissen, dass die internationale Gemeinschaft zu großen Teilen erwartet, dass er zurücktritt", sagte er. Außerdem kritisierte er das französische Vorpreschen bei der Anerkennung des Rebellenrates als alleiniger Vertretung Libyens. "Die Europäer täten gut daran, ihrerseits ihre Maßnahmen, die sie zu beschließen gedenken, in der Sitzung zu bereden und nicht am Tag vorher."
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte nach inoffiziellen Informationen für gezielte Luftangriffe auf Libyen plädiert. Zudem war er mit einer diplomatischen Initiative vorgesprescht: Sarkozy erkannte den selbst ernannten Übergangsrat aus der östlichen Stadt Bengasi als legitime Regierungsvertretung an.
In Libyen sind derweil drei Viertel des Landes nach Uno-Angaben von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Die Vereinten Nationen seien darum bemüht, einen Dialog mit allen Parteien herzustellen, um sich Zugang zu allen Teilen des Landes zu verschaffen und die humanitären Bedürfnisse der Bürger abzuwägen, sagte die stellvertretende Uno-Nothilfekoordinatorin Catherine Bragg. Die Vereinten Nationen hätten nur wenig Informationen über die humanitären Auswirkungen der schweren Kämpfe in Libyen in den vergangenen Tagen. Vor allem die medizinischen Bedürfnisse der Menschen gäben Anlass zur Sorge.