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Merken   Drucken   05.02.2012, 18:08 Schriftgröße: AAA

Nato-Einsatz: In Afghanistan wird auch nach 2014 gekämpft

Exklusiv Ab 2015 tritt die Nato in Afghanistan nur noch als Ausbilder auf. Doch ein lockerer Job wird das nicht: "Wenn du ein afghanisches Bataillion im Gefecht berätst, bist du selber im Gefecht", sagte Isaf-Kommandeur John Allen der FTD.
Trotz aller Debatten um einen baldigen Abzug wird die Nato über das Jahr 2014 hinaus in Afghanistan kämpfen. Die Mitgliedsstaaten müssen sich nach den Worten des Oberkommandierenden der Nato-Schutztruppe Isaf, General John Allen, auch nach dem Ende der Mission 2014 auf Kampfeinsätze ihrer Soldaten in Afghanistan einstellen - obwohl diese offiziell als Ausbilder bleiben sollen. "Wenn du ein afghanisches Bataillon im Gefecht berätst, stell dir vor, dann bist du selbst im Gefecht", sagte Allen im Interview mit der FTD. "Hier wird eine Unterscheidung vorgenommen wo es nahezu keinen Unterschied gibt."
Schätzungen zufolge sollen bis zu 40.000 Nato-Soldaten als Ausbilder in Afghanistan bleiben. Auch Deutsche sollen sich daran beteiligen. "Die deutschen Spezialeinheiten sind sehr wichtig für die Ausbildung der afghanischen Armee", sagte Allen. Ferner hätten die USA, Deutschland, Großbritannien und Frankreich den Afghanen die Entsendung nationaler Kontingente zugesagt. "Wir müssen uns noch darüber verständigen, ob wir selbst schießen oder ihnen beim Schießen helfen wollen", sagte Allen.
US-General John R. Allen, Kommandant der Isaf-Truppen in Afghanistan   US-General John R. Allen, Kommandant der Isaf-Truppen in Afghanistan
Deutsche Regierungsvertreter betrachten mit Sorge, dass die USA Soldaten aus dem deutschen Stationierungsgebiet in Nordafghanistan abziehen. Die Bundeswehr ist dort auf US-Luftunterstützung angewiesen. "Wir werden unsere Kräfte reduzieren, aber es kommt nicht auf die Zahl an, sondern auf die Leistungsfähigkeit", sagte Allen. Bislang macht Washington nur Zusagen bis Ende 2012. "Ich kann nicht sagen, ob ich am 1. Januar 2013 dramatische Änderungen vornehme", sagte Allen. Wahrscheinlich müsse er nach den ersten 23.000 weitere Soldaten abziehen.
Der Isaf-Chef bestätigte zudem, dass Armee und Polizei Afghanistans schrumpfen sollten. Obwohl derzeit das Ziel ist, die afghanischen Sicherheitskräfte auf gut 350.000 Man aufzustocken, sollten später nur rund 220.000 bis 230.000 Afghanen im Dienst sein, sagte Allen. Die bis dahin von US-Seite nicht bestätigte Zahl ist vor allem Folge amerikanischer Sparanstrengungen. Nato-Staaten befürchten, dass die Reduzierung der Armee den radikalislamischen Taliban Zulauf verschaffen könnte. "Wenn du eine große Armee, die zu Konfliktzeiten aufgebaut wurde, in der Zeit nach dem Konflikt reduzierst, droht eine Instabilität", warnte auch Allen.
Der US-Militär äußerte Verständnis für die Debatte in Frankreich über einen früheren Abzug aus Afghanistan. Paris hatte den nach einem tödlichen Anschlag auf vier seiner Soldaten ins Gespräch gebracht. "Wenn Frankreich entscheidet, die Zahl der Soldaten oder die Art des Einsatzes zu ändern oder den Abzug zu beschleunigen, ist das eine nationale Entscheidung", sagte Allen.
  • FTD.de, 05.02.2012
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