US-General John R. Allen, Kommandant der Isaf-Truppen in Afghanistan
Deutsche Regierungsvertreter betrachten mit Sorge, dass die USA Soldaten aus dem deutschen Stationierungsgebiet in Nordafghanistan abziehen. Die Bundeswehr ist dort auf US-Luftunterstützung angewiesen. "Wir werden unsere Kräfte reduzieren, aber es kommt nicht auf die Zahl an, sondern auf die Leistungsfähigkeit", sagte Allen. Bislang macht Washington nur Zusagen bis Ende 2012. "Ich kann nicht sagen, ob ich am 1. Januar 2013 dramatische Änderungen vornehme", sagte Allen. Wahrscheinlich müsse er nach den ersten 23.000 weitere Soldaten abziehen.
Der Isaf-Chef bestätigte zudem, dass Armee und Polizei Afghanistans schrumpfen sollten. Obwohl derzeit das Ziel ist, die afghanischen Sicherheitskräfte auf gut 350.000 Man aufzustocken, sollten später nur rund 220.000 bis 230.000 Afghanen im Dienst sein, sagte Allen. Die bis dahin von US-Seite nicht bestätigte Zahl ist vor allem Folge amerikanischer Sparanstrengungen. Nato-Staaten befürchten, dass die Reduzierung der Armee den radikalislamischen Taliban Zulauf verschaffen könnte. "Wenn du eine große Armee, die zu Konfliktzeiten aufgebaut wurde, in der Zeit nach dem Konflikt reduzierst, droht eine Instabilität", warnte auch Allen.
Der US-Militär äußerte Verständnis für die Debatte in Frankreich über einen früheren Abzug aus Afghanistan. Paris hatte den nach einem tödlichen Anschlag auf vier seiner Soldaten ins Gespräch gebracht. "Wenn Frankreich entscheidet, die Zahl der Soldaten oder die Art des Einsatzes zu ändern oder den Abzug zu beschleunigen, ist das eine nationale Entscheidung", sagte Allen.