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Viel verkündet er nicht. Aber es reicht für Jubelstürme. Mit einem Lächeln nimmt Hassan Scheich Mohamud am Montagabend die Wahl zum somalischen Präsidenten entgegen: "Ich gratuliere allen Somalis. Wir werden nun eine andere Richtung einschlagen." Der 56-jährige Professor ist der Überraschungssieger der immer wieder verschobenen Wahl in Mogadischu. Er ist eher Hilfsorganisationen als versierten Diplomaten bekannt. Das von Bürgerkrieg, Islamistenterror und Piraterie geplagte Land hat seinen Hoffnungsträger. "Ich hoffe, wir bekommen unseren Obama", sagt ein junger Somalier.
Noch vor wenigen Monaten hatte der Übergangspräsident von Somalia um den Präsidentenpalast einen Aktionsradius von zwei Kilometern. So weit war die radikal-islamische Al-Schabab-Miliz an das Zentrum der verbleibenden Macht herangerückt. Inzwischen hat sich die Lage - auch dank afrikanischer Friedenssoldaten - beruhigt. Die Miliz ist zurückgedrängt. Doch der Intellektuelle, dem die Zivilgesellschaft vertrauter ist als Machtintrigen, hat einen steinigen Weg vor sich.
Denn das ausgehungerte Land am Horn von Afrika steht auf der Rangliste der "Failed States", der gescheiterten Staaten, ganz oben. Große Teile der Bevölkerung sind abhängig von Lebensmittelhilfen. Al-Schabab hat ein weit verzweigtes Terrornetz geflochten. Die seit 21 Jahren waltende Übergangsregierung hatte sich zuletzt ins Nachbarland zurückgezogen. "Es ist eine große Chance für Somalia", sagt Ernst Jan Hogendoorn von der International Crisis Group.
Mit 190 Stimmen hängte Mohamud den bisherigen Übergangspräsidenten Scharif Scheich Ahmed ab, der nur 79 Stimmen der Parlamentsabgeordneten erhielt. Clanchefs hatten zuvor die 269 Parlamentsabgeordneten ausgesucht. Am 20. August war das Parlament vereidigt worden. Nun braucht Mohamud einen Premier.
Eine Bilderbuchwahl war das bei Weitem nicht, denn die Bevölkerung blieb außen vor. Ein Newcomer ist der Sohn eines islamischen Gelehrten in Mogadischu deswegen nicht. Er studierte an der Somali National University und arbeitete danach als Lehrer und Dozent. 1988 machte er seinen Master in Indien. Später arbeitete er als Berater der Übergangsregierung und bei Organisationen wie Unicef, dem Uno-Entwicklungsprogramm, dem Zentrum für Recherche und Dialog in Somalia und der Weltbank.
Bis 2010 war Mohamud erster Dekan der Simad-Universität. Das erste Institut für Management und Verwaltung in Somalia, aus dem die Universität hervorging, hatte er 1999 mitgegründet. Ziel der Bildungseinrichtung sei es, für den Wiederaufbau Somalias Mitarbeiter für die mittlere Verwaltungsebene auszubilden, schreibt er auf seiner Seite im sozialen Netzwerk Facebook.
Manche nennen den Mann zweier Frauen und Vater von 18 Kindern einen "moderaten Islamisten" - eine Beschreibung, die Mohamud selbst nicht schätze, sagt sein ehemaliger Kollege und Freund Jabril Abdulle. Er sei "äußerst engagiert und leidenschaftlich", ein "wirklicher Mann des Volkes". Seitdem Diktator Siad Barre 1991 gestürzt wurde und Somalia in Chaos versank, arbeitete Mohamud für die Zivilgesellschaft und versuchte unter anderem, verfeindete politische Gruppierungen zu versöhnen. 2011 gründete er schließlich die Partei für Frieden und Entwicklung.
Auch Vertreter des Auslands begrüßten die Wahl. "Er verkörpert wie kein anderer den Wechsel", sagte der Uno-Sonderbeauftragte für Somalia, Augustine Mahiga: "Mit ihm kann in Somalia wirklich eine neue Ära beginnen." Wegen Korruptionsvorwürfen war sein Vorgänger den westlichen Geldgebern suspekt geworden, meint ein Diplomat: "Ein Wechsel in der politischen Landschaft Somalias war dringend nötig."