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Merken   Drucken   04.01.2011, 00:30 Schriftgröße: AAA

Neuer Schachzug: Iran lässt Atomanlagen besichtigen

Der Iran hat zwei Agenturberichten zufolge ausländischen Diplomaten angeboten, seine Atomanlagen zu besichtigen. Erzfeind USA ist aber anscheinend nicht eingeladen.
Der Iran hat ausländischen Diplomaten in einem Brief angeboten, seine Atomanlagen zu besichtigen. Dies berichten die Nachrichtenagenturen Reuters und AP übereinstimmend.
Reuters bezieht sich bei seiner Meldung auf einen leitenden europäischen Diplomaten in Brüssel. DAPD hat nach eigenen Angaben im Umfeld der Atomenergiebehörde IAEA Zugang zu der schriftlichen Einladung gehabt.
Nach Angaben von AP hat der Iran der EU, Russland, China und weiteren Staaten angeboten, seine Atomanlagen zu besichtigen. In einer Einladung schlägt Teheran demnach für den Besuch das Wochenende 15. und 16. Januar vor. Ins Auge gefasst würden Treffen mit hochrangigen Vertretern der angesprochenen Staaten, darunter auch arabische Länder, hieß es.
Die USA sind nach Angaben eines Gewährsmanns von AP nicht aufgeführt. Mit der Einladung will sich die iranische Regierung offenbar Unterstützung vor einer neuen Runde internationaler Gesprächen über ihr Atomprogramm sichern. In dem auf den 27. Dezember datierten Schreiben sei von einem "Besuch der iranischen Atomanlagen" die Rede, für den sämtliche Kosten übernommen würden. Das Schreiben sei an Russland, China, Ägypten, Kuba, die Gruppe der Blockfreien und die Mitglieder der Arabischen Liga bei der IAEA sowie an Ungarn als derzeitige EU-Ratspräsidentschaft gerichtet.
Besucht werden sollten Buschehr und Natans, sagte der bei der IAEA akkreditierte Diplomat der AP. Außerdem seien Treffen mit dem amtierenden iranischen Außenminister Ali Salehi geplant, der außerdem Leiter der iranischen Atombehörde ist, und mit dem iranischen Chefunterhändler Saed Dschalili.
Anfang Dezember hatten sich iranische Beamte mit Vertretern aus Deutschland, den USA, China, Russland, Frankreich, Großbritannien und der EU in Genf getroffen, um über das Teheraner Atomprogramm zu verhandeln. Die Gespräche gingen ohne konkrete Ergebnisse zu Ende, vereinbart wurde lediglich ein weiteres Treffen zu Beginn dieses Jahres in der Türkei. Vorläufig ist ein Termin Ende Januar in Istanbul vorgesehen.
Bei den Gesprächen in Genf zeigte sich die iranische Delegation nach Angaben von Diplomaten nicht zu Gesprächen über die Forderungen des UN-Sicherheitsrats nach einem Stopp der Urananreicherung bereit. Iranische Unterhändler lehnten es außerdem ab, über das Thema beim nächsten Treffen zu diskutieren.
Die USA und andere westliche Staaten beschuldigen den Iran, sein nach eigenen Angaben ziviles Atomprogramm als Deckmantel für die Entwicklung von Atomwaffen zu benutzen. Teheran weist die Vorwürfe zurück.
  • dapd, 04.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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