Doch keine Koranschändungen? Ein Häftling wird im Gefangenenlager Guantanamo von US-Soldaten abgeführt
Am Sonntag hatte "Newsweek" zunächst nur Fehler in dem Bericht eingeräumt, eine Rücknahme des Artikels unter Berufung auf einen Zeugen jedoch ausdrücklich abgelehnt. Am Montagabend dann ließ Chefredakteur Mark Whitaker über einen Sprecher mitteilen: "Nach dem, was wir jetzt wissen, ziehen wir unsere ursprüngliche Geschichte zurück, dass eine interne militärische Untersuchung eine Schändung des Korans in Guantanamo aufgedeckt habe", sagte der Sprecher.
Das Magazin hatte unter Berufung auf hohe Washingtoner Regierungskreise berichtet, in Guantanamo seien von US-Aufsehern Koran-Ausgaben in Toiletten ausgelegt und damit entweiht worden. Außerdem sei ein Koranexemplar in eine Toilette gespült worden, um Gefangene zum Reden zu bringen.
Blutige Bilanz des Berichts
Nach dem vor zehn Tagen veröffentlichten Bericht war es in der gesamten islamischen Welt und vor allem in Afghanistan zu anti-amerikanischen Protesten gekommen, bei denen mindestens 17 Menschen starben.
Scott McClellan, Sprecher von US-Präsident George W. Bush, nannte den Rückzieher von "Newsweek" nach Informationen des Fernsehsenders CNN "einen guten ersten Schritt". Das Magazin müsse nun aber genau darlegen, wie es zu einem solchen Fehler habe kommen können und müsse der islamischen Welt erklären, dass die USA den Koran in Ehren hielten. Der gesamte angerichtete Schaden können durch die Rücknahme des umstrittenen Beitrags aber nicht wieder gut gemacht werden. "Der Bericht hatte reale Folgen. Menschen haben ihr Leben verloren. Unser Ansehen im Ausland ist beschädigt worden", sagte McClellan.
US-Ermittlungen laufen
Das US-Militär hat mehrere Untersuchungen über Vorwürfe der Gefangenenmisshandlung auf Guantánamo angeordnet. Unter anderem sollen weibliche Soldaten in Reizwäsche die Gefangenen provoziert haben. Das Pentagon hat aber bislang keinerlei Anhaltspunkte dafür gefunden, dass der Koran geschändet wurde. Die Zeitschrift hatte sich auf eine einzige Quelle bezogen, die die Angaben persönlich nicht verifizieren konnte.