Nordkorea, so klagen Exilanten, ist ein anderes Wort für Mangel. Mangel an Essen, Mangel an Produkten. Vor allem: Mangel an Freiheit. Ob Reise- oder Meinungsfreiheit - beides ist strikt untersagt. Folglich gibt es kein Internet und keine Auslandstelefonate für die 23 Millionen im Land eingesperrten Menschen. Bald aber wieder ein Mobilfunknetz.
Die Machthaber in Pjöngjang haben sich den arabischen Mobilfunkanbieter Orascom als Partner ausgesucht, um den Sprung aus der Steinzeit in die Moderne zu schaffen. Der Orascom-Tochter Cheo Technology erteilten sie nun eine Lizenz für 25 Jahre, die in den ersten vier Jahren sogar exklusiv ist. Dafür investiert das Unternehmen aus Ägypten annähernd 400 Mio. $ für den Aufbau eines schnellen UMTS-Netzes im Land. Selbst mobiles Internet ist kein Tabu mehr.
Die katastrophale Wirtschaftslage zwingt Nordkorea zu dem Schritt: Vom Aufschwung Asiens ist das Land bislang ausgeschlossen, Hunger bedroht noch immer das Leben von Millionen Koreanern. Zaghafte Wirtschaftsreformen sollen das ändern.
Für Orascom ist die Lizenz kein schlechtes Geschäft: Bis 2012 könnten 20 Prozent der Nordkoreaner ein Handy besitzen, prophezeit Alex Kuznetsov, Analyst der Investmentbank Bear Stearns: "Schon nach zwei Jahren Betrieb dürfte Orascom Profit erzielen." Einziges Risiko für die Ägypter: Nordkoreas oberster Diktatur Kim Jong-il könnte mal wieder die Lust am Mobilfunk verlieren und die Reißleine ziehen.
Es wäre nicht das erste Mal. Bereits im November 2002 hatte die Staatsführung ein Netz in Betrieb genommen, im Mai 2004 aber wieder abgeschaltet. Alle etwa 20.000 Nutzer im Land mussten ihre Telefone wieder abgeben. Der Auslöser: ein verheerendes Zugunglück in der Stadt Ryongchong, über das westliche Medien mehr erfuhren, als Staatschef Kim Jong-il lieb war. Damals waren 161 Menschen getötet und mehr als 1300 verletzt worden.
Seither ist der Besitz von Mobiltelefonen verboten. Spaß versteht die Diktatur nicht: Wer mit einem Handy erwischt wird, hat sein Leben verwirkt. Um Nachahmer abzuschrecken, hat die Armee im vergangenen Jahr Dutzende Handybesitzer öffentlich erschossen, berichtet das südkoreanische "Institut für Wiedervereinigung".
Genutzt hat es wenig. An der 1300 Kilometer langen Grenze zu China im Norden des Landes floriert das Geschäft mit den Geräten. Kein Wunder: Dort reichen chinesische Netze einige Kilometer in das Landesinnere hinein. War das am Anfang noch ein Nebeneffekt, bauen China Mobile und Unicom ihre Netze inzwischen gezielt für Kunden jenseits der Grenze aus. Die Aussicht, unkontrolliert telefonieren zu können, macht die Nordkoreaner todesmutig.
Die illegale Nutzung ermöglichen Schmuggler, die chinesische Prepaid-Telefone über die Grenze bringen. Und pfiffige Nordkoreaner vermieten ihre Geräte zu saftigen Preisen an Landsleute. Daran haben auch Sonderkommandos des Geheimdienstes bislang nichts ändern können: Sie suchen sei 2005 mit Detektoren nach Grenztelefonierern.