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Merken   Drucken   27.07.2012, 16:10 Schriftgröße: AAA

Olympia 2012: Romney kassiert jede Menge Prügel für Briten-Attacke

Der US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney zweifelt in einem TV-Interview daran, dass Großbritannien in der Lage ist, die Olympischen Spiele ordentlich auszurichten. Seitdem kochen die Emotionen hoch. Nicht nur in London - auch in Romneys Heimat.
© Bild: 2012 DPA/Shawn Thew
Der US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney zweifelt in einem TV-Interview daran, dass Großbritannien in der Lage ist, die Olympischen Spiele ordentlich auszurichten. Seitdem kochen die Emotionen hoch. Nicht nur in London - auch in Romneys Heimat.

Es gibt eine Grundregel für Politiker bei Auslandsreisen: Immer freundlich sein zum Gastland. Kritische Bemerkung runterschlucken. Nie ohne triftigen Grund öffentliche Kritik anbringen. Warum Mitt Romney, der Herausforderer von Präsident Barack Obama, diese Regel bereits zum Auftakt seiner Europa- und Israelreise sträflich vernachlässigt hat, ist vielen ein Rätsel. Dabei hat Romneys Reise vor allem einen Zweck - das außenpolitische Greenhorn will sich als "parkettfähiger" Staatsmann darstellen.

Romney sieht "beunruhigende Zeichen"

Kaum war er in London gelandet, schon trat der Multimillionär und ehemalige Privat-Equity-Mann Romney ins Fettnäpfchen. Und das ausgerechnet beim sonst eher völkerverbindenden Thema Olympia. Es sei "schwer zu sagen, wie gut es werden wird", verriet er dem TV-Sender NBC. Dann setzte er noch eins drauf. Es gebe "beunruhigende Zeichen", ob Großbritannien in der Lage sei, ein Ereignis dieser Größenordnung auszurichten.

Ganz Amerika fragt sich: Was sollte das? Warum Frontal-Kritik am treuesten Verbündeten der USA - und das einen Tag vor der Eröffnung der Spiele?

Wollte Romney etwa nur auf seine ehemaligen Glanztaten hinweisen? Schließlich hatte er 2002 maßgeblich die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City organisiert. Romney selbst führt das immer wieder gerne im Wahlkampf an - als Beweis, wie gut er organisieren und mit Geld umgehen kann.

Besonders streng urteilte die "Washington Post" über den Fehltritt. "Der republikanische Präsidentschaftskandidat beleidigt Großbritannien", schrieb sie am Freitag.

London ist "not amused"

Kein Wunder, dass das Gastland "not amused" auf so viel amerikanische Hemdsärmeligkeit reagierte. Britisch kühl, doch mehr als deutlich kanzelte Premierminister David Cameron die Bemerkungen ab: "Natürlich ist es einfacher, wenn man Olympische Spiele am Ende der Welt abhält." Plötzlich stand Romney, der Held von Salt Lake City, wie ein Hinterwälder dar.

Geradezu genüsslich ließen US-Sender am Freitag eine weitaus emotionalere britische Reaktion Revue immer wieder passieren - die Reaktion von Londons Bürgermeister Boris Johnson. Mit heiserer Stimme und sichtlich aufgeregt ließ sich der Bürgermeister aus. "Ich höre, da gibt es einen Typen namens Mitt Romney, der wissen will, ob wir bereit sind", empört sich Johnson - und macht dabei ein Gesicht, als habe er auf eine Zitrone gebissen. "Sind wir bereit? Sind wir bereit? Ja, wir sind es."

Olympia-Minister Jeremy Hunt rief den Kandidaten der Republikaner am Freitag dazu auf, bei der Eröffnungsfeier gut aufzupassen. "Wir werden der Welt zeigen, dass acht der zehn weltweit wichtigsten Sportarten entweder in Großbritannien erfunden oder in Regeln gefasst wurden, und nur zwei in Amerika - ich hoffe, Herr Romney guckt zu", sagte Hunt dem Sender ITV.

Olympia 2012 Die deutschen Goldhoffnungen

Dabei galt gerade der Besuch in London quasi als Heimspiel für Romney. Die weiteren Stationen seiner Reise dürften wesentlich heikler werden. Israel. Aber auch Polen. Es heißt, in Warschau wolle Romney, der sich bislang als außenpolitischer Hardliner präsentierte, ein paar saftige Bemerkungen in Richtung Russland abfeuern.

Wenn das nicht nach hinten losgeht. Vor einiger Zeit hatte er noch Russland als "unseren geopolitischen Feind Nummer eins" gebrandmarkt. Das war selbst Parteifreunden und Konservativen etwas zu stark. "Come on Mitt", soll Ex-Außenminister Colin Powell gesagt haben. "So ist das doch gar nicht.

  • dpa, 27.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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