Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) lässt ihre Fördermengen formal bis auf weiteres unverändert. Das sagten Delegierte des Opec-Treffens am Sonntag in Wien. In den Industrieländern hatte es die Sorge gegeben, dass eine Kürzung der Fördermenge höhere Preise zur Folge haben und damit eine Gesundung der Weltwirtschaft erschweren könnte. Allerdings kann das Kartell die Fördermenge dennoch faktisch reduzieren, indem sie zuvor beschlossene Förderkürzungen strikter umsetzt. Termin für das nächste Opec-Treffen ist der 28. Mai.
Die Vertreter des Ölkartells folgen einer Warnung der Internationalen Energieagentur (IEA): Die hatte im Vorfeld des Treffens an die Ölexporteure appelliert, die Förderung nicht allzu stark zu drosseln. In ihrem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht legte die Pariser Organisation erstmals seit Monaten den Fokus klar auf die Angebotsseite - und warnte vor dem Treffen der Opec vor steigenden Preisen: "Das Letzte, was die Welt jetzt brauchen kann, ist ein plötzlicher Anstieg des Ölpreises, der die Industrie noch weiter aus der Bahn werfen würde."
Der Appell der IEA ist Beleg dafür, wie sehr sich in den vergangenen Wochen die Situation auf dem Ölmarkt geändert hat. Die Opec, die 40 Prozent des weltweiten Angebots kontrolliert, beschloss seit September, ihren Ausstoß um 4,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich zu senken. Davon sind bisher nach Schätzungen der Experten rund 80 Prozent umgesetzt.
Aus Sicht der IEA wäre eine erneute Opec-Kürzung fatal gewesen: Schon dann, wenn das Kartell den bereits gefassten Beschluss voll umsetzt und dann die Produktion konstant hält, würden die Ölreserven der Industriestaaten abschmelzen. Dabei berücksichtigt ist bereits, dass die Ölnachfrage 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent oder 1,2 Millionen Barrel täglich geringer ausfällt.
Russland sucht Annäherung an Opec
Vor der Entscheidung sprach der russische Vizeministerpräsident Igor Setschin mit den Ölministern in Wien. Russland - nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Erdölproduzent der Welt - gehört der OPEC nicht an, erwägt aber laut Setschin die Entsendung eines ständigen Beobachters.
Setschin schlug der Opec unter anderem eine Reduzierung der Fördermenge vor. Laut Redetext sagte er, die Produktion in seinem Land sei im Januar und Februar um rund zwei Prozent gefallen. Russland spiele bereits eine Rolle bei den Opec-Versuchen, die Produktion zurückzufahren. Analysten bezweifeln diese Darstellung aber. Die Produktion in Russland sei nicht wegen einer geänderten Politik rückläufig, sondern wegen fehlender Investitionen in die Infrastruktur, sagte David Kirsch von PFC Energy.
Eine engere Zusammenarbeit zwischen Russland und den zwölf Opec-Mitgliedern schürt bei Abnehmern wie Deutschland Sorgen vor der Macht des Kartells. Vor allem europäische Staaten, die vor kurzem noch von dem Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine betroffen waren, beobachten die Annäherungen deshalb genau.