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Merken   Drucken   29.09.2011, 13:33 Schriftgröße: AAA

Organspende: Meine Leber gehört mir

Der Staat will die Bürger per Gesetz dazu bringen, sich zur Organabgabe zu erklären. Dieser Schritt geht in die falsche Richtung. Er ist in Wirklichkeit ein Bruch mit der Freiwilligkeit, an der doch offiziell keiner rütteln will.
© Bild: 2011 DPA/Bildfunk/Daniel Karmann
Kommentar Der Staat will die Bürger per Gesetz dazu bringen, sich zur Organabgabe zu erklären. Dieser Schritt geht in die falsche Richtung. Er ist in Wirklichkeit ein Bruch mit der Freiwilligkeit, an der doch offiziell keiner rütteln will. von Axel Reimann
Axel Reimann ist Redakteur im Kommentarteam der FTD.

Spenden Sie für Verhungernde in Afrika? Kreuzen Sie an: ja, nein, weiß nicht. Angekreuzt? Okay, hier ist Ihr Reisepass. War doch nicht schlimm, ist für eine gute Sache und außerdem freiwillig. Denken Sie dran: Jeden Tag sterben Menschen, weil wir zu träge sind, etwas von unserem Reichtum abzugeben.
Ist es eigentlich falsch, wenn der Staat seine Bürger regelmäßig per Gesetz daran erinnert, etwas Gutes für die Mitmenschen zu tun? Zweifellos, denn er übt Druck aus. Deshalb verbietet sich dieses Vorgehen auch bei der Organspende.
Alle wissen, dass es zu wenig Spenderorgane gibt. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe im Bundestag glauben, das Problem lösen zu können. Alle Bürger sollen sich künftig erklären - zum Beispiel wenn sie ihre Krankenkassenkarte bekommen, ihren Personalausweis oder ihren Führerschein.
Nur rund 15 Prozent der Deutschen haben einen Organspenderausweis.   Nur rund 15 Prozent der Deutschen haben einen Organspenderausweis.
Es wird immer wieder diese eine Frage sein: Sind Sie zur Organspende bereit? Natürlich soll die Antwort freiwillig gegeben werden - ja oder nein oder weiß (noch) nicht. Sollte der Plan tatsächlich umgesetzt werden, wäre das ein Paradigmenwechsel - weg von der lauen Zustimmungslösung, bei der man irgendwann mal, wenn man gerade Zeit und Lust hat, einen Spenderausweis ausfüllt oder im Zweifel später die trauernden Angehörigen entscheiden lässt. Hin zu einer Erklärungsregelung, bei der - in aller Freiwilligkeit! - offiziell die Gewissensfrage gestellt werden soll.
Das Ziel: der angeblichen Organspendebereitschaft der Deutschen auch Taten, also einen Organspendeausweis folgen zu lassen. Deutschland ist in diesem Bereich nämlich ein Entwicklungsland. Nur wenige füllen einen Spenderausweis aus. Gleichzeitig warten Tausende Patienten vergeblich auf ein neues Transplantationsorgan, die Nachfrage übersteigt das Angebot um ein Vielfaches.
Wahrscheinlich wird es durch die geplante Zwangsbefragung tatsächlich mehr Organspendeeinwilligungen geben. Wahrscheinlich werden damit mehr Transplantationen möglich, können die Wartezeit auf ein Spenderorgan verkürzt, menschliches Leid verringert und Leben gerettet werden.

Teil 2: Wo das Problem liegt

  • FTD.de, 29.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 25.11.2011 10:43:26 Uhr   Gaster: Mit Zwang erreicht man gar nichts.

    Eine Frage ohne Konsequenz? Doch - die Konsequenzen auf die Antwort lassen nach dem Ableben nicht auf sich warten. Ich möchte in dieser Frage nicht unter Druck gesetzt werden, ich kann mir als mündiger Erwachsener zu gegebener Zeit selbst ein Urteil bilden und eine Entscheidung treffen. Der Staat wird von mir nicht als valider Entscheidungsempfänger betrachtet. Ich werde konsequent jede interpretierbare Antwort zu dem Thema vermeiden. Frei nach dem Motto "Mit Druck, Gewalt und Zwang erreicht man gar nichts.". Und wenn die Behörden mir daraufhin meinen Pass nicht mehr ausstellen wollen, werde ich notfalls eher "nein" sagen, obwohl meine ursprüngliche Entscheidung evtl. eine andere gewesen wäre.

  • 25.11.2011 08:16:02 Uhr   Dr. Bogdan: Orgen gegen Marktpreis
  • 04.10.2011 20:45:16 Uhr   Rosa Weinhold: Artikel "Meine Leber gehört mir"
  • 03.10.2011 10:22:04 Uhr   Eurich Lobenstein: Organspende
  • 01.10.2011 14:56:28 Uhr   Habnix: befragung durch gestzlichen Krankenkasse
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