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Merken   Drucken   18.04.2005, 11:42 Schriftgröße: AAA

Pakistan und Indien machen Kaschmir-Grenze durchlässiger  

Indien und Pakistan wollen die militärisch schwer gesicherte Waffenstillstandslinie in der umstrittenen Himalaya-Region Kaschmir durchlässiger machen. Beide Länder vereinbarten außerdem gemeinsame Maßnahmen gegen den Terror.
Kaschmir - Zankapfel zwischen Indien und Pakistan   Kaschmir - Zankapfel zwischen Indien und Pakistan
Der Friedensprozess zwischen den beiden Ländern sei unumkehrbar, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf und Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh. Die beiden Politiker traten gemeinsam in Neu-Delhi vor die Presse und bekräftigten auf diese Weise den erfolgreichen Verlauf des dreitägigen Besuches Musharrafs im Nachbarland.
Pakistan und Indien besitzen beide Atomwaffen und haben seit 1947 zwei Mal Krieg um Kaschmir geführt. Seit Mitte 2002 haben sie ihre Beziehungen merklich verbessert. Anfang April eröffneten die Länder erstmals seit fast 60 Jahren eine direkte Busverbindung zwischen dem pakistanischen und indischen Teil Kaschmirs.
Um den Friedensprozess voranzubringen, sollen Transport-, Handels-, und Busverbindungen in der Grenzregion ausgebaut und mehr Familienkontakte über die Grenze hinweg ermöglicht werden, hieß es in der Erklärung. Die beiden Politiker seien "sich der historischen Chance bewusst, die sich aus den verbesserten Beziehungen und dem Wunsch der beiden Völker nach einem dauerhaften Frieden ergibt".
Die Waffenstillstandslinie könne nicht als Lösung des Problems akzeptiert werden, sagte Präsident Musharraf. "Die militärische Auseinandersetzung um Kaschmir ist nicht länger eine Option zwischen unseren Ländern", sagte Musharraf weiter. "Ebenso sind Zwangsmaßnahmen keine politische Option mehr."
Terroristen sollen gemeinsam bekämpft werden
Weiterhin wurden gemeinsame Maßnahmen im Kampf gegen den Terrorismus vereinbart. Allein im indischen Teil Kaschmirs kämpfen über ein Dutzend militante Gruppierungen für die Unabhängigkeit der Region. Die meisten von ihnen sind allerdings im pakistanischen Teil Kaschmirs beheimatet. In den vergangenen 15 Jahren sind schätzungsweise 66.000 Menschen durch Terroranschläge in Kaschmir ums Leben gekommen.
Außerdem vereinbarten die beiden Regierungschefs, eine Kommission zur Zusammenarbeit einzurichten, die für Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zuständig sein soll. In diesem Gremium soll aber auch der Bau einer Pipeline beraten werden, über die Gas aus Turkmenistan nach Pakistan und Indien geliefert werden könnte.
"Unsere Gespräche waren erfolgreicher, als ich erwartet hatte", sagte Musharraf. Allerdings werde es "eine lange Zeit und große Weisheit erfordern, in der Kaschmir-Frage zu einer Vereinbarung zu gelangen. Wir sollten das Schritt für Schritt angehen."
Beobachter bewerten Gespräche positiv
Politische Beobachter werteten die Gespräche trotzdem als Erfolg. "Das hat uns einen großen Schritt nach vorne gebracht", sagte Mohandas K. Rasgotra, ein indischer Diplomat der Nachrichtenagentur Reuters. "Beide Seiten haben sich flexibel und pragmatisch in der Kaschmir-Frage verhalten."
Talat Masood, ein ehemaliger General der pakistanischen Armee, sagte, die Regierung in Islamabad habe ihre Differenzen mit der "indischen Position zum territorialen Aspekt in Kaschmir beigelegt".
Am Sonntag hatten beide Atommächte ihren Anspruch auf Kaschmir zwar bekräftigt. Gleichwohl betonten beide Seiten, dass sie das Leben für die Menschen in Kaschmir erleichtern wollten.
Indien, Pakistan und Bangladesch bildeten bis 1947 zusammen die britische Kronkolonie und das Königreich Indien. Im Zuge der Unabhängigkeit von Großbritannien wurden der überwiegend hinduistische Landesteil Zentralindien und die überwiegend von Muslimen bewohnten Landesteile Pakistan und Bangladesch geteilt. Durch Kaschmir wurde auf diesem Weg eine willkürliche und international nie anerkannte Grenzlinie gezogen.
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  • FTD.de, 18.04.2005
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