Wer einmal mit einer Prognose eines Crashs richtiglag, verdankt das vielleicht dem Zufall. Wer zweimal hintereinander richtiglag, muss schon ziemlich gut sein. Robert Shiller verdankt sein Prestige zwei richtigen Prognosen in wenigen Jahren. 2000 warnte er in seinem Buch "Irrational Exuberance" vor einem bevorstehenden Crash. Wenige Jahre später sagte er den Zusammenbruch des überhitzten US-Immobilienmarkt voraus. Beide Warnungen waren berechtigt.
Robert Shillers Treffer waren kein Zufall. Sein Studium der Muster von Börsenkursen in der Geschichte brachte ihn zu einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber dem Modell rationalen Verhaltens. Damit ist er ein Vorreiter der neuen ökonomischen Schule, die berücksichtigt, dass Menschen sich nicht völlig unabhängig entscheiden.
Investoren seien vielmehr Herdentiere - in der Hausse sind sie von Euphorie, im Crash von Panik getrieben. Statt rationalem Kalkül langfristig gewünschter Einkommensströme und genau kalkulierten Risiken sind es Stimmungen, pragmatische Faustregeln und von Analysten und Journalisten geprägte "Stories", die das Investitionsverhalten prägen. Oft entscheidet eher der Bauch als der Verstand.
Damit stellt sich diese Denkrichtung gegen die Ökonomen, die den Investor als rationales Wesen betrachten, der nur seinen langfristigen Nutzen maximiert. Soziale und psychologische Mechanismen der Ausbreitung von wirtschaftlichen Trends rücken in den Fokus der ökonomischen Forschung.
Shiller widerspricht bereits seit Anfang der 80er-Jahre dem Ideal der effizienten Märkte, also der Idee, dass sich auf den Märkten - wenigstens langfristig - die "wahren" Preise eines Wertpapiers bilden. Stattdessen seien die Einschätzungen der anderen Marktteilnehmer über die künftige Kursentwicklung entscheidend - eine Erkenntnis, die ursprünglich John Maynard Keynes formulierte, auf den sich Shiller immer wieder bezieht. Es gibt demnach Übertreibungen, die so schwerwiegend sind, dass sie destabilisierend wirken.