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Merken   Drucken   24.04.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

Pekings junge Elite: So bunt treibt es Chinas Nachwuchs  

Wie die Kinder der Parteifunktionäre aus ihrer Herkunft Profit schlagen. Der Skandal um den gestürzten Hoffnungsträger Bo Xilai ist nur die Spitze des Eisbergs.
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Premium Wie die Kinder der Parteifunktionäre aus ihrer Herkunft Profit schlagen. Der Skandal um den gestürzten Hoffnungsträger Bo Xilai ist nur die Spitze des Eisbergs.
von Christiane Kühl, Peking

Winston Wen hat einen neuen Job. Der Sohn des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao ist neuer Chef des staatlichen Telekommunikationsgiganten China Satcom. Zuvor managte Wen Junior New Horizon Capital - eine Private-Equity-Firma, die er 2005 gegründet hatte, und die mit drei Fonds und mehr als 1 Mrd. Dollar Kapital zur größten im Land aufstieg. Wen Jiabaos Frau Zhang Peili verdiente derweil ein Vermögen im Diamantenhandel: Sie war Hauptaktionärin der Beijing Diamond Jewellery, bis die in Shanghai an die Börse ging.

Die Familien der chinesischen Spitzenpolitiker sitzen an der Schnittstelle zwischen Politik, Macht und Geschäft. Vielfach arbeiten sie dank ihrer guten Drähte nach oben als Türöffner für in- und ausländische Firmen: als Berater, Anwalt oder eben Private-Equity-Manager. Einige wurden damit sehr reich - bisher weitgehend im Verborgenen. Doch der Skandal um den abgesetzten Parteichef der Yangtze-Metropole Chongqing, Bo Xilai, seine Frau Gu Kailai und den mutmaßlich in ihrem Auftrag getöteten britischen Geschäftsmann Neil Heywood zerrt das Thema nun ins Rampenlicht.

"Die Partei hasst diesen Skandal", sagt Jean-Pierre Cabestan, Politikprofessor an der Hong Kong Baptist University. "Er zeigt der Bevölkerung so viel über die dreckige Wäsche der Politiker. Offiziell dürfen sie in China selbst keine Geschäfte machen, also lassen sie das ihre Familienmitglieder tun." Oder sie helfen ihren Kindern, lukrative Jobs in Staatsfirmen zu ergattern. Jiang Mianheng, Sohn von Expräsident Jiang Zemin, war beispielsweise Chef des Telekommunikationsunternehmens China Netcom.

Viele dieser Familiennetzwerke sind kaum zu erkennen. In China gibt es nur wenige Hundert Nachnamen. Familiennamen lassen daher nicht automatisch auf Verwandtschaften schließen. Manche nehmen gar Doppelidentitäten an: So etwa Bo Xilais älterer Bruder Bo Xiyong, der unter dem Namen Li Xueming Vize-Geschäftsführer des in Hongkong gelisteten Staatskonzerns Everbright International ist - ein Konglomerat mit einer Bank und Geschäften von Immobilien bis zu alternativen Energien. Nach Firmenangaben hält Li Xueming/Bo Xiyong zehn Millionen Aktien im Wert von gut 4 Mio. Dollar.

Die beiden Bos sind zwei von sieben Kindern des Revolutionsveteranen Bo Yibo, also selbst Funktionärssprösslinge. Zwei Schwestern von Bos Frau Gu Kailai - Gu Wangjiang und Gu Wangning - gehören derweil nach einem Bericht der Financial Times zu den größten Anteilseignern der in Shenzhen gelisteten Hongkonger Firma Tungkong Security Printing für Premium-Druckprodukte. Zu den Kunden gehören: Chinas Regierung. Allein Gu Wangjiangs Aktienpaket ist 116 Mio. Dollar wert.

Schon länger steht die Familie Bo/Gu in Verdacht, ihren Reichtum ins Ausland zu verschieben. Heywood hat angeblich vor seinem Tod mit Gu Kailai über die Höhe einer Kommissionszahlung gestritten. Er sollte Geld für sie ins Ausland bringen.

Solche Machenschaften sind inzwischen auch ins Visier der Staatspresse geraten. "Manche Leute", kritisiert das Parteiorgan "Volkszeitung", besorgten sich heimlich einen zweiten Pass, schafften Vermögen ins Ausland und verschleierten mithilfe von Verwandten, Freunden und Liebschaften ihren Reichtum. "Die Menschen werden zunehmend zynisch", so Experte Cabestan. "Sie wissen, dass Bo nur einer von vielen ist."

Wen Jiabao ist einer der wenigen, dem das Gebaren seiner Familie bisher nicht schadet. "Ich hasse Wens Sohn, aber Wen Jiabao ist der beste Politiker, den wir haben", sagt etwa ein Pekinger Musiker, der nicht genannt werden will. Die Menschen rechnen Wen an, dass er sich für die Benachteiligten eingesetzt hat, etwa durch Subventionen für die Bauern. Wen soll zudem den Geschäften seines Clans kritisch gegenüberstehen. Laut der Enthüllungsplattform Wikileaks telegraphierte die US-Botschaft 2007, Wen wolle sich scheiden lassen, da er von den Diamantengeschäften seiner Frau angewidert sei. Warum er es dann doch ließ, ist nicht bekannt.

Vor einer ähnlichen Situation aber könnte nun seine Tochter Wen Ruchun stehen. Laut der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" ist sie mit Xu Ming verheiratet, Chef der Baufirma Dalian Shide. Xu ist einer der zehn reichsten Chinesen - und Vertrauter Bo Xilais. Xu wurde am 15. März wegen nicht näher genannter Wirtschaftsvergehen festgenommen - am selben Tag, an dem Bo als Parteichef von Chongqing abgesägt wurde.

  • Aus der FTD vom 25.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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