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Merken   Drucken   28.01.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Piraten: Die Anti-Guttenberg-Partei

Entgegen allen Unkenrufen wird der Rückzug von Marina Weisband den Piraten nicht schaden. Denn diese Partei funktioniert anders.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Stephanie Pilick
Kommentar Entgegen allen Unkenrufen wird der Rückzug von Marina Weisband den Piraten nicht schaden. Denn diese Partei funktioniert anders. von Felix Victor Münch
Falls Marina Weisband diesen Kommentar liest, wird sie sich zunächst wohl in doppelter Hinsicht ärgern. Erstens, weil es jetzt schon wieder um sie geht, nicht um Inhalte. Zweitens, weil schon in den ersten drei Sätzen wieder eine Spekulation über ihre Psyche angestellt wird. Um alles falsch zu machen, was Medien aus ihrer Sicht derzeit falsch machen, müsste ich sie auch noch in ihrer Wohnung besuchen und dann über ihre Einrichtung, ihren Freund, ihre Frisur, ihr Lächeln und ihre charmante Art schreiben.
Doch das Thema ist auf dem Tisch. Die von den Medien erkorene Galionsfigur der Piratenpartei macht eine Pause. Sie wird zur Wahl des Geschäftführers der Piratenpartei nicht zur Verfügung stehen. Sie verabschiedet sich nicht aus der Politik, sie tritt nicht aus der Piratenpartei aus, sie hat sich nicht mit Piraten gestritten. Nichts. Nein, sie macht nur eine Pause. Und das aus gutem Grund: Sie will ihre Diplomarbeit schreiben und es geht ihr nicht gut. Jetzt wird von Journalisten viel spekuliert, ob das den Piraten schaden wird.
Wird es nicht. Denn nachdem sie, weil sie aus der Partei durch oberflächliche Eigenschaften heraussticht, von den Medien - entgegen aller Ziele der Partei - zur Galionsfigur stilisiert wurde, wird ihr Rücktritt, besser gesagt ihr Nicht-Wieder-Antreten, ein Lehrstück darin sein, wie die Piraten Politik, insbesondere Personalpolitik betreiben.
Sie wird einfach ersetzt werden. Punkt. Wahrscheinlich wird es ein Mann, vielleicht wird über ihn weniger geredet, vielleicht kann er nicht so kurze und verständliche Sätze formulieren, vielleicht sieht er schlechter aus. Alles egal.
Wahl-Triumph in Berlin Das sind die neuen Polit-Piraten
Die Piratenpartei lebt nicht von Meinungsführern und Personen. Sie lebt von Themen und Prozessen. Wenn der Nachfolger seine Funktion in diesen Prozessen übernimmt, und ein dazu befähigter Pirat wird sich angesichts der gestiegenen Mitgliederzahlen wohl finden lassen, und möglichst vermeidet - aufgemerkt - vermeidet, seine Meinung durch seine Funktion stärker zur Geltung zu bringen als ein engagiertes Basismitglied, geht alles gut.
Selbst wenn die Medien sich aufgrund jahrelanger Seh-, Hör- und Lesegewohnheiten des Publikums, und deswegen schon Journalistenschülern und Volontären eingetrichterter Gewohnheiten und Formatvorgaben - eine Geschichte, eine Person, vermeintlich dienende Detailbeschreibungen, attraktive Optik, kurze, klare, prägnante Sätze - nach dem nächsten Guttenberg sehnen: Die Piratenpartei funktioniert so nicht. Sie wird sich diesen Vorgaben nicht unterwerfen. Und sie hatte bis jetzt auch ohne einen Freiherr zu Guttenberg oder einen Sponti Joschka Erfolg.

Teil 2: Bei den Piraten wird alles angezweifelt

  • FTD.de, 28.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 03.02.2012 17:36:30 Uhr   Fleischmed: Guttenberg

    Die 5 Officers der Harvard-Universität, die sich um Betrug in der Wissenschaft kümmern, melden 40 % verdächtige Fälle.Darunter sin d nicht nur echte Betrüger sonedren auch Leute, die ihre Karrierer ein wenig frisiiert. Als ich meienDoktorarbeit machte, war eien Note 1 für eine theoretische Arbeit gar nicht möglich.
    Piraten, kümmert euch um die Freiheit des Interets und werdet nicht Menschheitsverbessererer. Da ist dei Konkurrenz zu groß. Gruß Dr.G. Flesichner

  • 29.01.2012 18:22:24 Uhr   ELIASS: @wetaskewin: Piraten, alte Kinder und Trolle....
  • 29.01.2012 15:48:20 Uhr   Logos: Ein bestechend qualifizierter Kommentar
  • 29.01.2012 14:48:02 Uhr   ELIASS: ACTA, SOPA und dergleichen werden diesem Trau...
  • 29.01.2012 11:01:52 Uhr   Joachim Dubrow: Träumerei
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