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Merken   Drucken   25.01.2012, 17:17 Schriftgröße: AAA

Plädoyer eines Forumskritikers: Occupy Davos!

Das Weltwirtschaftsforum muss für alle offen sein. Zumindest für die, die immer schon hinwollten. Aus diesem Grund startet ein Ableger der "Occupy-Wall-Street"-Bewegung.
© Bild: 2012 AFP/FABRICE COFFRINI
Kommentar Das Weltwirtschaftsforum muss für alle offen sein. Zumindest für die, die immer schon hinwollten. Aus diesem Grund startet ein Ableger der "Occupy-Wall-Street"-Bewegung. von Robert Shrimsley
Diesen Monat startet ein schlagkräftiger Ableger von Occupy Wall Street. In einem Park oder vor einer Kirche zu kampieren ist ja schön und gut, aber wir tragen unsere Forderungen lieber gleich ins Herz des Kapitalismus: zum Weltwirtschaftsforum in Davos.
Occupy Wall Street will die Interessen der Mittelschicht mit denen der Armen verbinden. Wir von Occupy Davos dagegen wollen die Kluft zwischen den Superreichen und den Wohlhabenden verkleinern. Die Occupy-Wall-Street-Protestler machen sich Sorgen wegen der Kluft zwischen Arm und Reich. Wir sorgen uns vor allem darum, wie wir auf die richtige Seite dieser Zweiteilung gelangen. Mag sein, dass es immer Arme geben wird, aber das heißt nicht, dass wir dazugehören müssen. Wir wollen nicht zu den 99 Prozent gehören. Ein 95:5-Verhältnis wäre uns lieber.
Also schlagen wir zurück. Die Occupy-Davos-Bewegung mit dem Wahlspruch "Wir sind die fünf Prozent" zwingt die globale Elite, auf unsere Rufe zu hören. Wir werden die Pisten zurückerobern.
Einige unserer Anhänger klammern sich noch verzweifelt an die Ein-Prozent-Gruppe. Andere befürchten, dass sie diesen Kreis nie erreichen. Und wieder andere gehören zwar eindeutig zur Ein-Prozent-Gruppe, sind aber meilenweit von einer Einladung zum Weltwirtschaftsforum entfernt. Früher waren wir völlig sorglos, denn wir wussten, unsere Davos-Tage werden kommen. Jahrelang schauten wir unseren politischen und wirtschaftlichen Anführern zu, wie sie auf Partys im Steigenberger Geld zum Fenster rauswarfen. Wir wussten ja: Irgendwann stoßen wir auch mal mit Cocktails auf die Aktionäre an.
Die Demonstranten der kapitalismuskritischen Occupy-Bewegung ...   Die Demonstranten der kapitalismuskritischen Occupy-Bewegung stecken ihr Terrain in Davos ab
Aber die neue Ära der Sparsamkeit hat uns in diese immer engere Position gezwängt, in jene Mittelschicht, die nicht mehr darauf vertrauen kann, dass ihre Anführer unsere Zukunft absichern. Die Politiker halten an denselben gescheiterten Strategien fest, und wir können uns plötzlich nicht mehr sicher sein, dass wir irgendwann einmal auf einem Podium mit Sharon Stone sitzen oder von einem Schweizer Sicherheitsmann abgetastet werden. Früher dachten wir, unsere Anführer sind schlauer als wir und haben die Antwort auf die Probleme der Welt. Heute wissen wir, dass es ebenso gut sein kann, dass sie es gründlich vermasseln. Warum sollten wir also so optimale Gelegenheiten zum Netzwerken wie Davos nur dieser kleinen Gruppe überlassen?
Zum ersten Mal seit einer Generation fragen sich Manager der mittleren Führungsebene, ob sie es wohl je nach Davos schaffen. Und noch schlimmer: Wir befürchten, dass es auch unsere Kinder nie so weit bringen. Wir haben jede Menge Schulden gemacht, um unsere Kinder an die besten Unis zu schicken - immer in der Hoffnung, dass sie irgendwann in die Google-Liga aufsteigen. Heute ist das eine betrogene Generation.
Unsere Belagerung startet kurz vor Beginn der Konferenz. Die Unterbringung ist ein kleines Problem, denn die Chalets sind schon weit im Voraus ausgebucht. Aber wir haben eine Lösung: Ein Inuit-Team ist bereit, uns ein Igludorf zu bauen, direkt bei der Schatzalp. Dann sind wir optimal positioniert, um die Delegierten zu belästigen, wenn sie auf der Suche nach dem nächsten Event durch den Schnee stapfen. Wir bräuchten noch Freiwillige für die 24-Stunden-Glühweinküche und zum Austeilen von Knicklichtern. Und nach der Demo fügen wir uns alle gegenseitig zu unseren Linkedin-Netzwerken hinzu.

Teil 2: Unsere Forderungen sind bescheiden

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