Der Schrecken ist zurückgekehrt. Auf Amerikas Fernsehschirmen rasen die Jets wieder ins World Trade Center. Es brennen die Türme, quälende Minuten lang, bevor sie in sich zusammenstürzen und nur noch träger Qualm über der Skyline Manhattans hängt. In Amerikas Zeitungen ist wieder vom Grauen dieser Minuten zu lesen, in den Protokollen der chaotischen, ungläubigen Polizeifunkmeldungen: "Ich habe hier einen Haufen Körper, die durch die Luft fliegen", sagt eine Stimme. "Einen Haufen was?", fragt die Zentrale. "Körper ... Leichen."
Zum zweiten Jahrestag der Terroranschläge in New York und Washington senden und schreiben und senden die Medien, was das Archiv hergibt. Die x-te Dokumentation über die Twin Towers, über die Attentäter, über jenen Septembermorgen, als der Krieg nach Amerika kam. Das x-te Interview mit einem Feuerwehrmann, einem Überlebenden, einem Angehörigen, das irgendwann in Tränen stecken bleibt. "America remembers", heißen die Sonderberichte - "Amerika erinnert sich".
Nicht dass Amerika vergessen hätte. Der Schock des Angriffs hat in den vergangenen zwei Jahren nachgelassen. Aber die Furcht lauert dicht unter der Oberfläche. Wenn Heimatschutzminister Tom Ridge bemerkt, die Amerikaner sollten Plastikfolie und Klebeband im Haus haben, um bei einem Bio- oder Chemieanschlag die Fenster abzudichten, sind Plastikfolie und Klebeband am Tag danach ausverkauft. Bei jedem Ereignis, jedem Unglück, das am dünnen Firnis der Normalität kratzt - ein Heckenschütze tötet wahllos Menschen, das Space Shuttle stürzt ab, der Strom fällt aus - wird dieselbe bange Frage gestellt: War es Terrorismus?