Das Internetportal Wikileaks veröffentlicht geheime Dokumente zum Irakkrieg und klagt Kriegsverbrechen an. Leitarbtikler loben die Aufklärung und Transparenz des Internets.
"Leipziger Volkszeitung"
"Wikileaks ist zu einer Großmacht gnadenloser Offenheit geworden, die jeden einzelnen Soldaten ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit bringen kann. Dass dabei Namen von Gefährdeten geschützt werden, ist nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit. Rund um den Globus werden sich Regierungen an Internet-Transparenz gewöhnen müssen. Aber nicht jeder Coup lässt sich wiederholen. In den USA sind die Reaktionen auf die Irak-Veröffentlichungen entspannter als nach den Afghanistan-Enthüllungen von Wikileaks. Trotzdem wird Wikileaks die Welt verändern, sie aber nicht nur durchsichtiger machen. Denn wenn in Demokratien nichts mehr geheim bleibt, wird es kaum noch offene und ehrliche Dokumente für den internen Dienstgebrauch geben."
Schreckliche Verbrechen im Irakkrieg gehen aus den veröffentlichten Dokumenten von Wikileaks hervor
"Main-Post" (Würzburg)
"Das Internet ist eine hochbrisante, aber ebenso wichtige Bühne der Weltpolitik geworden. Wikileaks veröffentlicht geheime Dokumente, Bürgerproteste à la Iran finden auf Twitter statt, Facebook ist das Sammelbecken für Menschen, die mit ihren Politikern nicht einverstanden sind (siehe Stuttgart 21): Beispiele dafür, dass das Web in diesen Wochen gehörig die Muskeln spielen lässt. Wikileaks, Facebook und Co. sind wertvoll, weil derlei www-Adressen etwas anstoßen können. Nimmt man aus all jenen Internet-Geräuschen die eine oder andere ungenaue Frequenz heraus, bleibt immer noch genügend Wahrheit oder zumindest Anlass, am Schlechten in der (Welt-)Politik etwas zu ändern."
"Berliner Zeitung"
"Tatsächlich hat sich Wikileaks nicht des Hochverrats schuldig gemacht, sondern der Demokratie einen Dienst erwiesen. Deren Stärke liegt nicht zuletzt darin, dass sie sich auch mit ihren dunklen Stunden kritisch auseinandersetzt. Der Irak-Krieg gehört zu den dunkelsten Stunden der amerikanischen Demokratie. In China, so wurde gestern übrigens auch gemeldet, ist die Regierung alarmiert, weil dort eine eigene Wikileaks-Organisation gegründet werden könnte. Die Sorge ist begründet. Denn die Autorität der autoritären Regierung hängt davon ab, dass sie selbst entscheiden kann, was geheim ist und was öffentlich, was die Menschen erfahren und was nur die Funktionäre wissen."
"Der neue Tag" (Weiden)
"Bleibt die Hoffnung, dass solche Websites in Zukunft Kriege nicht nur analysieren, sondern auch verhindern helfen. Hätte es Wikileaks schon 2003 gegeben, als US-Außenminister Colin Powell vor den UN über die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak des Saddam Hussein sprach vielleicht hätten die USA den Krieg dann gar nicht erst begonnen."
"Wikileaks ist zu recht umstritten, weil es zum Beispiel die Geheimnisse der irakischen Terrororganisationen nicht in gleicher Weise offenlegen kann und insofern die Besatzungsmächte als alleinige Schurken anprangert. Doch das ist der Preis, den offene Gesellschaften um ihrer eigenen Freiheit willen bezahlen müssen; sie können und dürfen sich nicht der Methoden des Gegners bedienen, weil sie sonst selbst Schaden nehmen. Entscheidend ist, dass man der Allianz, die im Irak operiert, nicht die Möglichkeit gibt, sich hinter Verschwörungsformeln zu verstecken, um den Informanten zu schmähen und ihr eigenes Scheitern zu kaschieren."
"Frankfurter Neue Presse"
"Politiker, die jenes Abenteuer unterstützten, sowie schuldig gewordene Militärs versuchen verzweifelt die Spuren zu verwischen, die sie mit den schlimmen Vorgängen rund um den Irak-Krieg in Verbindung bringen. Die Wahrheit muss ans Licht, auch wenn sie wehtut. Es ist gut, dass Wikileaks hier ein weiteres Stück Aufklärung liefert. Das Internet hat eben auch gute Seiten."
"Westdeutsche Zeitung" (Düsseldorf)
"Dass Wikileaks nun ausgerechnet Obama in die Parade fährt, spricht für bloße Effekthascherei. Politisch ist es sinnlos. Die Dokumente hätten deshalb nicht mehr veröffentlicht werden sollen. Heute ist es zu spät und schadet dem falschen Präsidenten. Die selbst ernannten Aufklärer haben einen Fehler gemacht."
"Augsburger Allgemeine"
"Der schmutzige Krieg in Vietnam hat die amerikanische Gesellschaft jahrzehntelang beschäftigt. Wird nun auch der Irak-Krieg ein solches Trauma auslösen? Die Betreiber der Internetplattform WikiLeaks scheinen ein Interesse daran zu haben. Sie veröffentlichen wahllos alles, was ihnen in die Finger kommt. Die geheimen Dokumente aus dem Afghanistan- oder dem Irak-Krieg belegen in der Tat eines: Jeder Krieg ist viel schmutziger, als dies von den Militärs dargestellt wird. Und die Wahrheit ist immer das erste Opfer. Das hat man freilich schon gewusst, bevor es WikiLeaks gab."
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