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Merken   Drucken   27.11.2010, 12:13 Schriftgröße: AAA

Pulverfass Gelbes Meer: China kritisiert geplantes US-Seemanöver

Im Koreakonflikt droht eine neue Eskalation: China rückt von den Vereinigten Staaten ab und in Südkorea wird der Ruf nach Rache immer lauter.
Im schwersten Vorfall zwischen den verfeindeten Bruderstaaten Nord- und Südkorea seit dem Ende des Korea-Kriegs 1953 geraten nun auch zunehmend deren Verbündete aneinander. So haben die USA China zu einem stärkeren Druck auf Nordkorea aufgefordert, um eine Eskalation im Korea-Konflikt zu verhindern. Warum China bislang nicht mäßigender auf Nordkorea einwirke, sei nur schwer zu erklären, sagte US-Generalstabschef Mike Mullen in einem CNN-Interview. Nach seiner Einschätzung versuche die Führung in Peking den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il zu kontrollieren. Aber das sei kaum möglich, denn Kim sei unberechenbar. China müsse seinen Einfluss stärker geltend machen, sagte der Admiral.
Zwischenfall im Gelben Meer Bilder eines koreanischen Scharmützels
Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete hingegen, dass sich China, das als einziges Land mit Einfluss auf die kommunistische Führung in Nordkorea gilt, in Gesprächen mit Vertretern der Regierungen in Pjöngjang und Seoul um eine Beruhigung in dem Konflikt zwischen Nord- und Südkorea bemüht. Außenminister Yang Jiechi soll die Lage auch in einem Telefonat mit seiner US-Kollegin Hillary Clinton  erörtert haben.
Peking messe dem jüngsten Schusswechsel zwischen Nord- und Südkorea "größte Aufmerksamkeit" bei, hieß es in einer Erklärung des chinesischen Außenministeriums. Beide Seiten sollten Ruhe bewahren und Zurückhaltung üben, so schnell wie möglich in Kontakt treten und die Probleme in Verhandlungen und Dialog lösen.
"Mit Wut und Hass rächen"
"Die drängendste Aufgabe ist jetzt, die Situation unter Kontrolle zu bringen und eine Wiederholung ähnlicher Vorfälle zu vermeiden", erklärte Yang nach Gesprächen mit dem nordkoreanischen Botschafter in Peking, Chi Jae Ryong, und einem Telefonat mit dem südkoreanischen Außenminister Kim Sung-hwan weiter.
Gleichzeitig warnte China vor den bevorstehenden Marinemanöver der USA mit Südkorea. Denn Nordkorea hatte im Vorfeld mit weiteren Angriffen gedroht, und dass auf Grund der ab Sonntag anstehenden gemeinsamen Militärübung der USA und Südkoreas im Gelben Meer die ganze Region an den Rand eines neuen Krieges geraten könne. Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums versuchte am Freitag zumindest China zu beruhigen. "Wie die früheren Übungen sind sie angelegt, die Abschreckung gegenüber Nordkorea zu verstärken." Zu dem Manöver vor der Westküste Koreas wird auch der US-Flugzeugträger "George Washington" erwartet.
Die südkoreanischen Streitkräfte drohten unterdessen mit Vergeltung für die beiden Soldaten, die neben zwei Zivilisten am Dienstag getötet wurden. Auch der neue Verteidigungsminister des Landes, Kim Kwan Jin, kündigte laut einem Zeitungsbericht ein hartes Vorgehen gegen das kommunistische Nachbarland an. "Wir müssen auf Provokationen Nordkoreas scharf reagieren", sagte Kwan Jin der Zeitung "Chosun Ilbo". Anderen Medien zufolge plant die Regierung in Seoul eine Aufstockung der Verteidigungsausgaben im kommenden Jahr.
Der Kommandeur der Marineinfanterie, Yoo Nak Joon kündigte während der Trauerfeier für die beiden getöteten Soldaten "tausendfache" Vergeltung an. Alle Marineinfanteristen würden den Tod der beiden um jeden Preis rächen. "Wir werden uns mit all unserer Wut und all unserem Hass bei Nordkorea rächen."
  • FTD.de, 27.11.2010
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