Die osteuropäischen Länder haben sich im vergangenen Jahr am meisten verbessert, hieß es in dem Bericht "Doing Business in 2006", den die Weltbank-Tochter IFC am Dienstag veröffentlichte. Der Bericht befasst sich mit den Geschäftsbedingungen für heimische Unternehmer, nicht mit der Anwerbung von ausländischen Investoren.
Hinter Neuseeland platziert sich Singapur als zweitbestes Land hinsichtlich der Unternehmerfreundlichkeit - gefolgt von den USA, Kanada und Norwegen. Vor Deutschland liegen unter anderem auch Dänemark, Großbritannien, Irland, Finnland, Schweden, die Schweiz und Belgien.
Die IFC, der Privatsektorarm der Weltbank, veröffentlichte die Studie zum dritten Mal, führte aber erstmals eine Bestenliste ein. Auf den hintersten Rängen liegen vor allem afrikanische Länder. "Je weniger Regularien, desto besser der Rang", sagte Michael Klein, Chefökonom der IFC, des Privatsektorarms der Weltbank. "Je komplizierter die Auflagen sind, desto mehr Raum gibt es für Korruption."
Komplizierte Firmengründung
In Neuseeland dauert es nach der Studie zwölf Tage, um eine Firma auf die Beine zu stellen, in Deutschland doppelt so lange. Dispute über Vertragsverletzungen werden dort innerhalb von 50 Tagen gelöst, in Deutschland werden nach der Studie im Schnitt 175 Tage benötigt.
Schlechte Noten bekommt Deutschland in Arbeitsmarktfragen. Die Studie misst Probleme auf einer Skala von null bis 100 Punkten. Bei Arbeitszeitvorschriften bekommt Deutschland 80 Punkte, während Neuseeland aus Unternehmersicht als völlig problemlos gilt - null Punkte. Kündigungsschutz und Vertragsbedingungen bescheren Deutschland 55 Punkte, Neuseeland 7. "Ein rigider Arbeitsmarkt ist gut, wenn man einen Job hat", sagte Klein. Problem sei aber die Arbeitslosigkeit. Bei der Auswertung der Daten sei eins deutlich geworden, sagte der Hauptautor der Studie, Simeon Djankov. "Je rigider der Arbeitsmarkt, desto größer die Arbeitslosigkeit."
Die Weltbank stellte der deutschen Reformpolitik jedoch gute Noten aus und sieht deutliche Verbesserungen der Bundesrepublik als Wirtschaftsstandort. "Es hat sich ganz einfach etwas getan in Deutschland - insbesondere auf dem Arbeitsmarkt", sagte der Vizepräsident der Weltbank, Michael Klein, dem "Handelsblatt". "Wenn man die Reformen in Deutschland mit denen in anderen Ländern vergleicht, dann war das relativ viel."
Deutschland als "Top-Reformer" eingestuft
Die Zeitung berichtete, nach einer Studie der Weltbank, in der die Standortfaktoren für Unternehmen in 155 Ländern verglichen würden, werde Deutschland bei der Arbeitsmarktregulierung als "Top-Reformer" eingestuft.
Allein im Handel gilt Deutschland als leuchtendes Beispiel: in keinem Land der Welt sind nach dieser Studie so wenig Unterschriften für Exporte nötig wie in Deutschland. Ein Exportgeschäft dauert im Schnitt sechs Tage, nur einen Tag mehr als beim Primus Dänemark. Bei der Zahl der nötigen Dokumente gelte dieselbe Rangfolge.
Als eifrigste Reformer stellte die Studie Serbien, Montenegro und Georgien heraus, auch wenn dort noch viel zu tun sei. In Mittel- und Osteuropa habe die Aussicht auf EU-Integration viele Länder zu Reformen veranlasst. Die drei baltischen Staaten sind unter den 30 Ländern mit den einladendsten Geschäftsbedingungen. In 20 Ländern habe es allerdings auch Rückschläge gegeben, etwa in Madagaskar, im Tschad und in Mauretanien.