FTD.de » Politik » International » Finanzlobby wehrt sich mit Schreckensszenarien
Merken   Drucken   29.01.2010, 10:50 Schriftgröße: AAA

Regulierung: Finanzlobby wehrt sich mit Schreckensszenarien

Regierungen überlegen, den Finanzsektor über Größenbeschränkungen und Steuern an exzessiven Wetten zu hindern. Die Branche wehrt sich und wird alarmistisch: Ein Riesenbroker warnt vor einem Dollar-Verfall.
von Brooke Masters, New York und Frankfurt

Die Finanzbranche fürchtet um ihre Erträge - und verstärkt ihre Lobbyarbeit in Washington und London, um eine allzu harte Regulierung zu verhindern. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos äußerten bereits mehrere Bankenchefs - darunter Robert Diamond von Barclays  und Josef Ackermann  von der Deutschen Bank  - ablehnend gegenüber den jüngsten Vorstößen von US-Präsident Barack Obama .

Mit GFI mischt sich jetzt auch eines der größten Brokerhäuser in die Diskussion ein. GFI-Vorstandschef Michael Gooch attackiert die Pläne zu einer Finanztransaktionssteuer - häufig auch "Tobin-Steuer" genannt - und entwürft ein düsteres Szenario. "Wenn die Liquidität auf dem Kapitalmarkt sinkt, wird es für kleinere und mittelständische Unternehmen schwieriger, Eigen- und Fremdkapital aufzunehmen." Sollte die USA allein voranpreschen, würde das sogar den Status des Dollar als Reservewährung ankratzen - und möglicherweise auch Dollar-Verkäufe im großen Stil auslösen, sagte Gooch der Financial Times.

Ungeachtet der Milliarden an Steuergeld, mit denen der Bankensektor gestützt wird, bilden Institute weltweit wieder enorme Rückstellungen für Prämien und zahlen hohe Gehälter. Zudem gehen sie im Eigenhandel wieder mehr ins Risiko. Politiker und andere Kritiker sehen das zunehmend als Zeichen dafür, dass die Branche in alte Gewohnheiten zurückfällt und keine Lehren aus der Krise zieht.

Mehre Vorschläge, solch ein Verhalten einzudämmen, werden derzeit diskutiert. US-Präsident Barack Obama setzt sich für eine Bankensteuer ein und möchte den Spielraum der Geldhäuser bei Hedge-Fonds, Private-Equity und im Eigenhandel begrenzen. Darüber hinaus will er weitere Fusionen verhindern und eine Größenbeschränkung definieren.

Adair Turner, Chef der britischen Finanzaufsicht, hält eine ...   Adair Turner, Chef der britischen Finanzaufsicht, hält eine Tobin-Steuer für sinnvoll

Eine andere Idee, die bereits im August 2009 vom Chairman der britischen Finanzaufsicht FSA, Adair Turner, ins Spiel gebracht worden war und auch in Deutschland Anklang findet, ist die Einführung einer globalen Steuer auf Finanzgeschäfte. Der US-Ökonom und Nobelpreisträger James Tobin hatte 1972 eine Steuer auf sämtliche internationalen Devisentransaktionen vorgeschlagen. Eine solche Abgabe wird immer wieder diskutiert, auch als Finanzierungsmöglichkeit für Entwicklungshilfe.

Die Wall Street und die Londoner City laufen gegen die Regulierungsvorschläge Sturm und äußern sich zunehmend alarmiert in der Öffentlichkeit. Das zeigt auch das Beispiel GFI. "Steuern an dieser Stelle sind gefährlich", sagte Gooch. "Das wird die Handelsaktivität verringern. Damit sinken auch die Handelsgebühren und letztendlich auch das Steueraufkommen, das im Finanzsektor generiert wird."

GFI spricht damit durchaus in ihrem eigenen Interesse. Die Gesellschaft verdient über Handelsgebühren. Im dritten Quartal 2009 erzielte sie einen Ertrag von 192 Mio. $. Im Dezember lagen die Erträge je Handelstag bei durchschnittlich 2,3 Mio. $. Unternehmen wie GFI und Icap vermitteln Transaktionen zwischen großen Banken. Sie sind in vielen Märkten - Anleihen, Aktien, Rohstoffe, Energie - engagiert und gehören im außerbörslichen Handel zu den wichtigsten Akteuren.

Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler