Das verarbeitende Gewerbe in den USA schrumpft so stark wie seit 26 Jahren nicht mehr. Der ISM-Einkaufsmanagerindex, der am Montag veröffentlicht wurde, fiel im November von 38,9 auf 36,2 Zähler. Das ist der tiefste Stand seit 1982. Ein Wert von 50 ist die Scheidelinie zwischen Wachstum und Rezession. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit 37 gerechnet.
Besonders schlecht fielen die Auftragseingänge aus. Sie fielen von 32,2 auf 27,9. Das ist der tiefste Stand seit 1980. Der Preis-Subindex ging auf 25,5 zurück. Das ist der niedrigste Wert seit 1949. "Angesichts der sich weltweit ausbreitenden Krise, ist es unwahrscheinlich, dass sich die amerikanische Industrie erholt", sagte Peter Kretzmer, Volkswirt bei der Bank of America.
Die Börsen gaben nach den Daten deutlich nach. Der Dow Jones rutschte um mehr als vier Prozent ins Minus, der deutsche Leitindex Dax notierte zeitweise sogar fünf Prozent nach.
Nach Einschätzung von Gabriele Widman, Volkswirtin bei der Deka-Bank, wird der Abwärtstrend des ISM anhalten. "Angesichts unserer Prognose, dass das erste Quartal 2009 den Tiefpunkt des aktuellen Abschwungs darstellt, rechnen wir für die kommenden Monate weiterhin mit Werten für den ISM-Index von um die 35 Punkte und darunter. Dabei sind zwischenzeitliche leichte Anstiege durchaus möglich, ändern aber nichts an unserem grundsätzlichen Bild einer schrumpfenden gesamtwirtschaftlichen Aktivität bis Mitte kommenden Jahres."
Der ISM-Einkaufsmanagerindex ist ein schlechter Vorbote für den Arbeitsmarktbericht, der am Freitag veröffentlicht wird. Volkswirte gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote im November von 6,5 auf 6,8 Prozent zulegte. "Ich rechne damit, dass weitere 400.000 Stellen im November abgebaut wurden. Das würde den Druck auf die Behörden in Washington weiter erhöhen", sagte James Knightley, Volkswirt bei ING.
Teil2: Schwerer Einbruch im vierten Quartal erwartet