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25.08.2011, 21:05
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Rezessiongefahr "beträchtlich":
Stiglitz fordert neues US-Konjunkturprogramm
Exklusiv
Der Double Dip vor der Tür, der Arbeitsmarkt auf Sicht äußerst schwach: Joseph Stiglitz zeichnet ein düsteres Bild der Wirtschaft seines Heimatlands. Helfen könne nur ein staatliches Konjunkturprogramm - denn die geldpolitischen Mittel der Fed seien erschöpft.
von Hubert Beyerle, Lindau
Nobelpreistäger
Joseph Stiglitz sieht für die USA das ernsthafte Risiko einer erneuten Rezession. "Die Gefahr, dass die USA ein Double-Dip-Szenario erleben, ist inzwischen beträchtlich", sagte Stiglitz der FTD und anderen Medien am Donnerstag auf der Tagung der Wirtschaftsnobelpreisträger in Lindau am Bodensee. Ohnehin sei für die größte Ökonomie der Welt nicht erst ein Wirtschaftswachstum unter null ein Problem. "Die US-Wirtschaft benötigt ein Wachstum von drei bis vier Prozent, um Beschäftigung aufzubauen."
Stiglitz forderte angesichts der aktuellen Schwäche der US-Wirtschaft daher eine Neuauflage des Stimulusprogramms, weil expansive Geldpolitik inzwischen an die Grenzen der Wirksamkeit stoße. "Obamas erstes Stimulusprogramm hat gewirkt, auch wenn viele das bestreiten." Die Rezession wäre ohne den Stimulus noch viel schlimmer ausgefallen. "Die Arbeitslosigkeit wäre dann auf 12,5 Prozent gestiegen." Tatsächlich liegt sie inzwischen wieder deutlich unter zehn Prozent. Dass die wirtschaftliche Schwächephase sich inzwischen bereits drei Jahre hinziehe, sei damit zu erklären, dass die Nachwirkungen der Fehler der Bush-Administration viel schlimmer seien als ursprünglich bekannt gewesen.
Joseph Stiglitz
Stiglitz kritisierte die Debatte um Haushaltsdefizite und Staatsschulden in Europa und den USA. "Der entscheidende Weg, die Schulden in den Griff zu bekommen, ist Wachstum", sagte Stiglitz. Austeritätspolitik sei der komplett falsche Weg. Länder ohne Zugang zu Krediten wie Griechenland hätten zwar keine andere Chance.
Dafür müssten aber jene Länder, die finanziellen Spielraum haben - wie insbesondere Deutschland - mithilfe von Staatsausgaben entsprechend mehr tun und so die Ungleichgewichte der Euro-Zone reduzieren. Länder mit finanziellem Spielraum sollten ihre staatlichen Investitionen ausweiten. Weil über Jahrzehnte diese öffentlichen Ausgaben vernachlässigt wurden, seien hier sehr hohe soziale Renditen zu erwarten. Ganz besonders gelte das für die USA.
Austeritätspolitik habe bereits in der ersten großen Weltwirtschaftskrise 1929 und später in vielen anderen Ländern wie Argentinien in die Katastrophe geführt. Dass Bundespräsident
Christian Wulff in seiner Grundsatzrede am Tag zuvor Lettland als positves Beispiel dafür nannte, wie sich ein Land aus der Krise heraussparen könne, findet Stiglitz unverständlich. Wie im Falle Argentinien in den 90er-Jahren habe Lettland sein Wachstum zum großen Teil auf Pump finanziert. Ökonomisch sei das Beispiel Lettland ein Desaster, so Stiglitz.
Teil 2: "Märkte alleine gelassen nicht effizient"
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Aus der FTD vom 26.08.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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