"Es gibt eine gewisse Furcht vor einer Stagflation", sagte Peter Cardillo, Chefökonom beim US-Vermögensberater Avalon. Während steigende Ölpreise die Inflation anheizten, schwäche sich das Wachstum ab. Daher ist er bei Aktien überzeugt: "Die gewohnte Frühjahrsrally bleibt aus."
Analyst Philip Roth von Miller Tabak & Co. beobachtet eine Abkehr von konjunkturabhängigen Aktien. "Die Investoren kaufen daher etwa Pharmawerte", sagte er. In einem schwachen
Dax stiegen am Mittwoch
Merck und
Fresenius Medical Care um 5,4 und 3,7 Prozent.
Der europäische Aktienindex
Stoxx 600 fiel um 1,3 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Bei Einzelhandelswerten gab es teilweise Panikverkäufe. Das Papier von Marks & Spencer verlor 18,6 Prozent, nachdem Chef Stuart Rose ein Umsatzminus für 2007 verkündet hatte. 2008 blieben die Bedingungen "hart", sagte er.
"Die anhaltende Unsicherheit über den Konjunkturverlauf und sinkende Immobilienpreise haben das Konsumentenvertrauen gedämpft", sagte Fionnuala Earley, Chefökonomin der Bank Nationwide. Das Pfund fiel gegenüber dem Euro auf ein Rekordtief.
Skeptisch äußerte sich auch
Ford -Chef
Alan Mulally . Er beklagte, die Zurückhaltung der Banken und der Wertverlust von Immobilien stimme die US-Verbraucher pessimistisch: "Die Leute machen sich um die US-Wirtschaft Sorgen." Die Aktien des dänischen Hifi-Anlagen-Herstellers
Bang & Olufsen brachen um 30 Prozent ein, nachdem Chef Torben Sörensen schlechte Geschäftszahlen unter anderem mit der schwachen US-Wirtschaft begründet hatte.
Beim Gold erwarten Analysten bis zum Jahresende Preise von bis zu 1000 $. "Gold zieht die Investoren angesichts des schwachen Dollar, der Erwartung sinkender US-Leitzinsen und der Sorgen über die Inflationsaussichten weiter an", urteilte David Moore, Rohstoffstratege der Commonwealth Bank of Australia.
Experten zufolge steigt nun der Druck auf die Europäische Zentralbank, in absehbarer Zeit den Zins zu senken. Für die Sitzung am Donnerstag gilt als sicher, dass sie ihn bei 4,0 Prozent belässt. Dagegen wird eine Zinssenkung der Bank of England nicht ausgeschlossen. Der Chef der Federal Reserve St. Louis, William Poole, sagte am Mittwoch, es sei zu früh, von einer Rezession zu sprechen. Als ungewöhnlich gilt aber, dass ein Vertreter der US-Notenbank das Wort überhaupt verwendete.