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Merken   Drucken   09.01.2008, 22:54 Schriftgröße: AAA

Rezessionsgefahr alarmiert Anleger

Die Furcht vor einer Rezession in den USA hat Investoren in sichere Anlagen getrieben. Der Preis für eine Feinunze Gold stieg auf ein neues Rekordhoch, die Renditen von US-Staatsanleihen sanken auf ein Dreijahrestief. von Claas Tatje (New York), Titus Kroder (London), Mark Schrörs, Doris Grass (Frankfurt) und Joachim Dreykluft (Hamburg)
Massive Käufe ließen die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen auf unter 2,7 Prozent sinken, das ist der tiefste Wert seit Herbst 2004. Die Feinunze Gold stieg auf den Rekordpreis von 891,70 $.
Ein Händler auf dem Parkett der  New York Stock Exchange   Ein Händler auf dem Parkett der New York Stock Exchange
Am US-Aktienmarkt waren bereits am späten Dienstagabend die Kurse abgerutscht. Zuvor hatte der Chef des Telekomkonzerns AT&T , Randall Stephenson, gesagt, das Unternehmen müsse zunehmend Kunden die Leitungen kappen, weil diese ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen könnten.
Bei Investoren setzt sich derzeit die Meinung durch, dass Aktienanlagen wegen der hohen Rezessionsgefahr sehr riskant geworden sind. Der US-Aktienmarkt hatte sich trotz Kreditkrise in den vergangenen Monaten stabil gezeigt und im Oktober sogar einen Rekordstand erreicht. Der wichtige Aktienindex S&P 500 hatte trotz regelmäßiger Meldungen über Milliardenabschreibungen bei Banken stets die Marke von 1400 Punkten gehalten. Am späten Dienstagabend wurde sie erstmals seit März 2007 unterschritten. Am Mittwochabend setzte sich die Talfahrt des S&P zunächst fort, konnte sich zum Börsenschluss dann aber erholen.
"Es gibt eine gewisse Furcht vor einer Stagflation", sagte Peter Cardillo, Chefökonom beim US-Vermögensberater Avalon. Während steigende Ölpreise die Inflation anheizten, schwäche sich das Wachstum ab. Daher ist er bei Aktien überzeugt: "Die gewohnte Frühjahrsrally bleibt aus."
Analyst Philip Roth von Miller Tabak & Co. beobachtet eine Abkehr von konjunkturabhängigen Aktien. "Die Investoren kaufen daher etwa Pharmawerte", sagte er. In einem schwachen Dax  stiegen am Mittwoch Merck  und Fresenius Medical Care  um 5,4 und 3,7 Prozent.
Der europäische Aktienindex Stoxx 600  fiel um 1,3 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Bei Einzelhandelswerten gab es teilweise Panikverkäufe. Das Papier von Marks & Spencer verlor 18,6 Prozent, nachdem Chef Stuart Rose ein Umsatzminus für 2007 verkündet hatte. 2008 blieben die Bedingungen "hart", sagte er.
"Die anhaltende Unsicherheit über den Konjunkturverlauf und sinkende Immobilienpreise haben das Konsumentenvertrauen gedämpft", sagte Fionnuala Earley, Chefökonomin der Bank Nationwide. Das Pfund fiel gegenüber dem Euro auf ein Rekordtief.
Skeptisch äußerte sich auch Ford -Chef Alan Mulally . Er beklagte, die Zurückhaltung der Banken und der Wertverlust von Immobilien stimme die US-Verbraucher pessimistisch: "Die Leute machen sich um die US-Wirtschaft Sorgen." Die Aktien des dänischen Hifi-Anlagen-Herstellers Bang & Olufsen  brachen um 30 Prozent ein, nachdem Chef Torben Sörensen schlechte Geschäftszahlen unter anderem mit der schwachen US-Wirtschaft begründet hatte.
Beim Gold erwarten Analysten bis zum Jahresende Preise von bis zu 1000 $. "Gold zieht die Investoren angesichts des schwachen Dollar, der Erwartung sinkender US-Leitzinsen und der Sorgen über die Inflationsaussichten weiter an", urteilte David Moore, Rohstoffstratege der Commonwealth Bank of Australia.
Experten zufolge steigt nun der Druck auf die Europäische Zentralbank, in absehbarer Zeit den Zins zu senken. Für die Sitzung am Donnerstag gilt als sicher, dass sie ihn bei 4,0 Prozent belässt. Dagegen wird eine Zinssenkung der Bank of England nicht ausgeschlossen. Der Chef der Federal Reserve St. Louis, William Poole, sagte am Mittwoch, es sei zu früh, von einer Rezession zu sprechen. Als ungewöhnlich gilt aber, dass ein Vertreter der US-Notenbank das Wort überhaupt verwendete.
23:37:34 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
DAX 6384,26    -0,26%  -16.8
S&P500 1324,8    -0,44%  -5.86
Dow Jones 12598,55    -0,26%  -33.45
  • Aus der FTD vom 10.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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