Der Frühstückskaffee wurde am Dienstag im Blauen Raum gereicht. Die Gastgeber waren George W. und Laura Bush, die Gäste Barack und Michelle Obama. Fünf Stunden später war das Haus ein anderes: So lange hatte das 93-köpfige Personal der Residenz des US-Präsidenten Zeit, um die Kisten der neuen Bewohner auszupacken, die Kleider von Michelle Obama in Schränken und Kommoden zu verstauen und die Stofftiere der Töchter Sasha und Malia auf deren Betten zu drapieren. Laura Bush hatte ihren Auszug gut organisiert und die meisten Kisten selbst gepackt: Schließlich wird sie hinterher selbst auspacken müssen. In ihrem neuen privaten Leben in Texas.
Die Obamas dagegen können von einem Privatleben nur noch träumen. Barack Obama ist seit seinem Wahlsieg der berühmteste Mann der Welt - und seine Familie wird damit leben müssen. Seine Frau wird als First Lady das Land repräsentieren. Seine Töchter werden wie in einem Aquarium aufwachsen - die Klatschpresse wird sich die Nasen platt drücken, um möglichst viele Momente zu erhaschen.
Die Abgrenzung dürfte schwierig werden. Denn Obamas Botschaft aus dem Wahlkampf ist das Wir-Gefühl, die Welt, die er verspricht, ist eine vernetzte Welt, in der jeder sich persönlich angesprochen fühlen soll. Und nach der Geheimniskrämerei der Bush-Regierung hat er ein "offenes Weißes Haus" versprochen. Diese Ankündigung wird er nicht nur im Regierungsteil, dem West Wing, sondern auch auf symbolische Weise im Presidential Mansion leben müssen.
Diesen Part könnte auch Michelle Obama übernehmen. Sie wird ihre Aufgabe als "First Mom", die ihre Kinder abzuschirmen versprochen hat, mit der Rolle als Mutter der Nation verbinden müssen.
Unwahrscheinlich, dass die Powerfrau sich mit rein ehrenamtlichen Funktionen oder mit der Auswahl des Geschirrs vor einem White House Dinner begnügen wird wie vor ihr Laura Bush. Mit ihrer Herkunft aus einer schwarzen Familie der unteren Einkommensschichten, aber auch mit ihrer professionellen Erfahrung als Anwältin und im Klinikmanagement ist Michelle Obama prädestiniert als Botschafterin für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit. Freiraum für ihr öffentliches Leben wird sie auch dadurch haben, dass ihre Mutter Marian Robinson mit ins Weiße Haus zieht, eine wichtige Bezugsperson für die siebenjährige Sasha und die zehnjährige Malia. Die Mädchen haben auch aus berufener Quelle Tipps erhalten, wie man als Kind im Weißen Haus auf seine Kosten kommt: Die Bush-Zwillinge Jenna und Barbara geben ihren Nachfolgerinnen in einem offenen Brief im "Wall Street Journal" eine Reihe hilfreicher Hinweise. "Rutscht auf dem Geländer zum Solarium hinunter", raten sie ihnen. Und wenn es sich nicht vermeiden lässt, dass man an Halloween mit den Eltern verreisen muss, dann könne man verkleidet durch den Gang im Flugzeug laufen und "Trick or Treat!" rufen. Nicht zuletzt sollten die Mädchen sich loyale Freunde suchen - das könnte auch der Hund sein, den Obama seinen Töchtern schenken will.
Rückzugsräume wird sich auch der Vater suchen müssen, dessen langer Kampf um den Erhalt seines Blackberrys schon legendär ist. Amtsvorgänger empfanden den Sonnenraum des Weißen Hauses, der einen weiten Blick über die Mall bietet, als idealen Raum zum Alleinsein und Nachdenken. In der Bibliothek soll ein Ort nach Obamas Gusto entstehen: mit cooler Lounge-Atmosphäre und moderner Computerausrüstung. Abschalten konnte Obama aber schon während des Wahlkampfs am besten beim täglichen Work-out, das er sehr ernst nimmt. Der Fitnessraum des Weißen Hauses wird eine zentrale Rolle spielen, so wie das Basketballfeld, das nach Obamas Anweisungen ausgebaut wurde. Verzichten könnte er auf die Bowling-Bahn, die er entgegen früheren Ankündigungen aber jetzt doch nicht herausreißen lassen will. Etwas bleibt doch, wie es war.