Diesen Monat geht al-Arabia auf Sendung, ein neues 24-Stunden-Nachrichtenprogramm des mit saudi-arabischen Geld betriebenen Senders Middle East Broadcasting (MBC). Al-Arabia soll al-Dschasira entthronen - jenen Sender aus Katar, der arabischen Zuschauern erstmals freie Meinungsäußerung und einem weltweiten Publikum Osama Bin Ladens Videofilme in die Wohnzimmer brachte.
Im letzten Jahr starteten zwei weitere arabische Satelliten-Nachrichtenkanäle - einer mit Unterstützung aus Algerien, der andere im Rahmen einer saudisch-libanesischen Partnerschaft. Sie treten in einem heiß umkämpften Markt an, auf dem staatliche und private Sender im Falle eines Krieges gegen den Irak um die besten Bilder und O-Töne rangeln.
"Alle Sender kämpfen darum, bei einem Irak-Krieg die Vorreiterrolle in der Berichterstattung zu übernehmen", sagt Ali Jaber, Chef des libanesischen Senders Future Television. "Größtenteils geht es bei dieser Offensive darum, al-Dschasira zu bedrängen, denn Länder wie Saudi-Arabien können es sich nicht leisten, als einzige Nachrichtenquelle einen feindlichen Sender anzubieten." Als feindlich gilt der Sender deswegen, weil die saudische Regierung und andere arabische Staaten befürchten, dass al-Dschasira die Rolle dieser Länder bei einem Irak-Krieg stärker hervorheben wird, um von der Beteiligung des kleinen Golfstaats Katar abzulenken, dem Eigentümer von al-Dschasira.
In Katar wird voraussichtlich das US-Hauptquartier aufgeschlagen. Fast alle arabischen Regierungen sind gegen einen Militärschlag. Und doch sehen sie sich gezwungen, die Amerikaner zu unterstützen - was einem US- und kriegskritischen Publikum schwer zu vermitteln ist. In einem Krieg dürfte Saudi-Arabien die USA zwar unterstützen, aber eher hinter den Kulissen. Dank al-Arabia wird sich Riad sicherer wähnen und seinerseits auf die Beteiligung Katars verweisen.
Die Investition in al-Arabia - 300 Mio. $ über fünf Jahre - sollen von privaten Geschäftsleuten aus Saudi-Arabien, Kuwait und Libanon kommen. Die saudische Regierung wird über die Muttergesellschaft MBC Einfluss nehmen können.
Auch hinter einer neuen Partnerschaft zwischen der in London beheimateten panarabischen Tageszeitung al-Hayat und der entertainmentlastigen Lebanese Broadcasting Company (LBC) wird saudisches Geld vermutet. Das Joint Venture hat damit begonnen, Programme zu produzieren, die den LBC-Nachrichtendienst verstärken sollen. Ziel ist ein Nachrichtenkanal, der rund um die Uhr sendet. Branchenquellen zufolge belastet die Irak-Krise bereits die Partnerschaft, denn Libanesen und Saudi-Araber seien sich uneins über die redaktionelle Ausrichtung.
MBC-Generaldirektor Ali al-Hedeithi meint, dass der für den in Dubai ansässigen Sender al-Arabia vorgesehene Start am 20. Februar vorgezogen werde, falls vorher ein Krieg beginne. "Was soll das Ganze, wenn wir nicht vor Kriegsbeginn anfangen zu senden?", sagt al-Hedeithi. "Wir werden den Menschen eine Alternative bieten."
Al-Dschasira gibt sich unbesorgt. Bislang hat der Sender Konkurrenten wie Abu Dhabi Television oder das Londoner Arab News Network ausstechen können. Dank eines Marktanteils von mehr als 50 Prozent in der arabischen Welt sowie guten Kontakten und verstärkter Belegschaft in Irak dürfte der Sender bei der Bagdad-Berichterstattung erneut die Nase vorn haben.
Die Geschäftsführung verhandelt bereits mit Iraks Präsidenten Saddam Hussein. In Kuwait, dem im Kriegsfall wichtigsten US-Stützpunkt, ist al-Dschasira allerdings verboten.
Said al-Shouly, al-Dschasiras Vize-Chefredakteur, sagt: "Möge der beste Sender siegen. Aber wir haben die Erfahrung, die man benötigt. Man hat uns beschuldigt, im Afghanistankrieg für Bin Laden zu sein, aber er hat sich deswegen für al-Dschasira entschieden, weil wir das größte Publikum haben. Wenn die Iraker etwas senden wollen, werden auch sie sich für uns entscheiden."