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Merken   Drucken   08.01.2009, 16:00 Schriftgröße: AAA

Schmuggel in Gazastreifen: Durchlöchert wie ein Schweizer Käse  

Die Verhandlungen in Nahost sollen eine erste Basis für einen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern schaffen. Ziel ist ein Ende des Waffenschmuggels der Hamas. Keine leichte Aufgabe. von Silke Mertins (Sderot)
Schmuggeln hat in Abu Mussabs Familie Tradition. Schon sein Vater hat Tunnel zwischen dem palästinensischen Gazastreifen und der ägyptischen Sinaihalbinsel gegraben. Heute betreibt er das unterirdische Transportunternehmen mit seinen Brüdern. Von Benzin bis Zigaretten und Windeln wird alles durch die lehmigen Stollen geschoben, was es in Gaza aufgrund der israelischen Blockade nicht gibt.
Über Jahre wurden die unterirdischen Gänge ausschließlich für Waffen benutzt - mit traumhaften Gewinnen. "300 Prozent pro Waffe", schwärmt Abu Mussab mit glänzenden Augen. Seit der Machtübernahme der Hamas im Juni 2007 ist das vorbei. "Wer würde noch Waffen kaufen?", fragt der Palästinenser. "Die Hamas hat ihre eigenen Tunnel, und allen anderen Gruppen erlauben sie keine Waffen."
Die israelische Luftwaffe hat vergangene Woche rund 80 dieser Tunnel bombardiert. Sie wollte während der Militäroffensive der Hamas den Nachschubweg abschneiden und verhindern, dass sie durch die Tunnel nach Ägypten flieht. Wenn es zu einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas kommt, und danach sieht es im Augenblick aus, dann sollen internationale Truppen das tun, was Ägypten bisher nicht geschafft hat: den Waffenschmuggel verhindern. Doch dazu müssten weit mehr Tunnel zerstört werden als bisher.
Es gibt Hunderte solcher unterirdischen Gänge. Gaza ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Der Bürgermeister der Grenzstadt Rafah nannte die Zahl 750. Die Hamas hatte sogar begonnen, für die Tunnel eine Lizenzgebühr von umgerechnet 2000 Euro zu kassieren.
Die ägyptischen Sicherheitskräfte haben den Schmuggel geduldet und meist weggesehen. Palästinenser sprechen von einer "roten Linie", die es einzuhalten galt. Maximal hätte man Sprengstoff, Rohmaterial für Raketen und leichte Waffen geduldet, heißt es. Der Hamas aber gelang es dennoch, Hunderte Katjuscha-Raketen iranischer Herkunft einzuschleusen.
Dutzende der Raketen mit einer Reichweite von über 40 Kilometern hat die Hamas in den vergangenen zwei Wochen abgeschossen. Immer mal wieder hat Ägypten, wenn der Schmuggel zu dreist wurde, ein paar Tunnel gesprengt. In einigen Fällen starben darin Dutzende Männer. Doch im Anschluss wurden die unterirdischen Gänge immer sofort wieder repariert.

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