Doch der Weltwährungsfonds warnt auch generell davor, allzu sehr in den aktuellen weltweiten Konjunkturabschwung hineinzusparen. "Übertreibungen bei der kurzfristigen fiskalischen Anpassung mit dem Ziel, zyklische Einnahmeverluste auszugleichen, wird die Wirtschaftsaktivität weiter hemmen, Zustimmung in der Bevölkerung für Anpassungen verringern und das Marktvertrauen unterminieren."
Ein forcierter Defizitabbau in den Abschwung hinein sei nicht nur schlecht für Wachstum, sondern für das Marktvertrauen allgemein, erklärt der IWF zudem in der Aktualisierung des Fiskalmonitors, einem weiteren Bericht, den er am Dienstag veröffentlichte. In Zeiten extremer Marktschwankungen würden die mittel- bis langfristigen Vorteile von Haushaltskonsolidierung weniger wahrgenommen als die kurzfristig konjunkturdämpfenden Wirkungen der Sparbemühungen.
Wachstumsprognose für Deutschland auf 0,3 Prozent gesenkt
In seinem aktualisierten Weltwirtschaftsausblick prognostiziert der IWF deutlich niedrigere Wachstumswerte als noch im September. In Deutschland rechnen die Ökonomen dieses Jahr mit einem Mini-Wachstum von 0,3 Prozent, im Ausblick von September waren sie noch von 1,3 Prozent ausgegangen. Für 2013 sagen die Volkswirte aus Washington 1,5 Prozent voraus, genauso viel wie im September-Ausblick.
Mit diesen Werten steht Deutschland unter den großen Euro-Volkswirtschaften noch vergleichsweise gut da. Frankreich wächst dem IWF zufolge 2012 nur um 0,2 Prozent, 2013 sollen es dann 1,0 Prozent sein. Italien und Spanien stürzen den IWF-Projektionen zufolge im laufenden Jahr mit einem Negativwachstum von -2,2 Prozent und -1,7 Prozent tief in die Rezession. Auch 2013 werden beiden Volkswirtschaften nach Fonds-Einschätzung schrumpfen, Italien um -0,6 Prozent und Spanien um -0,3 Prozent. In den 17 Staaten der Euro-Zone insgesamt rechnet der IWF 2012 mit -0,5 Prozent und 2013 mit einem leichten Plus von 0,8 Prozent.