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Merken   Drucken   19.02.2012, 19:46 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Schlecht getimte Lektion für Privatgläubiger

Leitartikel EZB und Euro-Notenbanken sollen bei einer Pleite Griechenlands möglichst ungeschoren davon kommen. Das dürfte Privatinvestoren bei zukünftigen Anleihekäufen abschrecken.
Dass sich die Griechen die Deutschen auf diese Weise zum Vorbild nehmen, haben sich die Privatanleger sicher nicht so vorgestellt. So wie im deutschen Insolvenzrecht der Staat dafür sorgt, dass er möglichst ungeschoren davonkommt, so sollen jetzt die Europäische Zentralbank (EZB) und die Notenbanken der Euro-Länder bei einer Griechenland-Pleite weitgehend vor Ausfällen geschützt werden. Was zulasten der Privatgläubiger geht.
Die EZB und die Euro-Notenbanken können dabei auf Athen verweisen, weil diese Entscheidung rein formal bei Griechenland liegt. Darum gerissen hat sich das von allen Seiten stark unter Druck stehende Land sicherlich nicht.
Für die öffentlichen Gläubiger, also die von Steuergeldern abgesicherten Notenbanken, ist das nur von Vorteil. Erstens können sie so empörte und benachteiligte Privatgläubiger darauf verweisen, dass ja nicht sie es verlangt haben, sondern die Griechen verantwortlich sind - Klagen also bitte schön im überschuldeten Athen und nicht im wohlhabenden Brüssel oder Berlin abzugeben sind. Und zweitens können sie diese Bevorzugung sogar sinnvoll begründen: Schließlich haben sie ja nicht aus Eigeninteresse griechische Staatsanleihen gekauft, sondern um damit die Finanzmärkte zu stabilisieren. Privatinvestoren dagegen waren sich des Risikos bewusst, haben dafür stattliche Zinsaufschläge verlangt - und müssen lernen, dass es auch zu Verlusten bei Staatsanleihen kommen kann.
Das stimmt natürlich. Es ist aber zu bezweifeln, dass jetzt der geeignete Zeitpunkt ist, den Anlegern eine Lektion zu erteilen. Wenn Portugal, Italien oder Spanien in nächster Zeit neue Anleihen ausgeben, dürfte das Notenbankprivileg die Nachfrage nicht gerade steigern. Und die Zinsen könnten erneut in die Höhe schnellen - im Falle Portugals sogar, bevor neue Anleihen am Kapitalmarkt sind. Im Sinne der EZB und der Notenbanken ist das nicht.
  • Aus der FTD vom 20.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 21.02.2012 15:11:44 Uhr   Michael: Es ist nie der richtige Zeitpunkt

    Also, irgendwie funktioniert das Argument nicht. Sind die Zeiten gut, gibt es schliesslich keinen Grund Anleihen nicht zu bedienen. Ich denke dieser Zeitpunkt ist besser als ein paar Monate zuvor, wo nur Heulen und Zähneklappern herrschte. Man sieht ja schon an den zögernd aber stetig steigenden Aktienkursen, dass die Stimmung sich langsam normalisiert.

  • 21.02.2012 07:00:19 Uhr   JayJay: Lieber Aktien
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