Im Kampf gegen die Schuldenkrise können die Euro-Länder auf frisches Geld aus China zählen: Ministerpräsident Wen Jiabao bietet an, "eine helfende Hand auszustrecken". Sein Land verfolgt dabei aber auch eigene Interessen.
Die Europäische Union ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner der Volksrepublik. Die 27 Länder kauften im vergangenen Jahr Waren des Exportweltmeisters im Wert von 282 Mrd. Euro - 18,9 Prozent mehr als 2009. China hat deshalb ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen bei seinem wichtigsten Kunden. FTD.de klärt die wichtigsten Fragen.
Ja, mit rund 2350 Mrd. Euro besitzt die Volksrepublik die mit Abstand größten Devisenreserven der Welt. Ein Teil davon ist in Euro-Wertpapieren wie Staatsanleihen angelegt, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren.
Die Regierung in Peking veröffentlicht zwar keine Daten. Experten schätzen aber, dass inzwischen ein Viertel der Devisenreserven in Euro-Papieren steckt und zwei Drittel in Dollar-Anlagen. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren - und damit auch Chinas Euro-Investitionen.
Bedenken kommen vor allem aus der Zentralbank. Deren Berater Li Daokui warnt davor, größere Summen in europäische Staatsanleihen zu stecken. Auch Yu Yongding, ein ehemaliger Notenbank-Berater, rät vor der Anhäufung immer größerer Devisenreserven ab.
Auf dem Platz des himmlischen Friedens wurde 1989 die Demokratiebewegung niedergeschlagen
China möchte von der EU den Status als Marktwirtschaft erhalten. Das würde automatisch den Abbau von Handelshemmnissen bedeuten, über die sich der Exportweltmeister seit langem beklagt.
China erhofft sich auch ein Ende des seit dem Massaker gegen die Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 geltenden EU-Waffenembargos.
China hat seit Ausbruch der Krise vor mehr als einem Jahr immer wieder sein Vertrauen in die Währungsunion betont. "Wir haben es zigmal gesagt, dass China bereit ist zu helfen", sagte Ministerpräsident Wen Jiabao auch am Mittwoch wieder. "Wir werden dort weiter investieren." Bei Worten hat es Peking nicht belassen. Die Volksrepublik hat für viele Milliarden Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern gekauft, während sich private Investoren aus Sorge vor einem Zahlungsausfall entweder zurückhalten oder exorbitante Zinsen verlangen.
China sichert seine Interessen auf ganz unterschiedliche Weise: Griechischen Reedern wurde ein Kredit über 10 Mrd. Dollar zur Verfügung gestellt. Denn ein Großteil der internationalen Handelsflotte fährt unter griechischer Flagge, viele der Tanker und Schiffe werden in China gebaut. Auch in Ungarn - das zwar nicht zur Euro-Zone gehört, aber ebenfalls mit einer Schuldenkrise kämpft - engagieren sich die Chinesen.
Der Technologiekonzern Huawei baut dort sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift und die China Railway Construction Corporation das Schienennetz des osteuropäischen Landes modernisieren soll.
Amnesty International warnt davor, dass Menschenrechtsfragen in den Hintergrund gedrückt werden. "Es ist zu befürchten, dass Kritik an den Menschenrechten in Zukunft noch leiser geübt wird", sagt AI-China-Experte Dirk Pleiter. "Geraten einzelne EU-Länder in Abhängigkeit von China, wird es schwerer, innerhalb der EU eine einheitliche Linie gegenüber der Volksrepublik zu formulieren, Probleme klar anzusprechen und auch Konflikte auszutragen."
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