Die Schlacht ist geschlagen - der Sieger heißt Barack Obama. Hier finden Sie die aktuellsten Nachrichten und Reportagen, Analysen und Kommentare zum politischen Weltereignis in den USA.
Für eines der mit Abstand wichtigsten Ämter im Weißen Haus hat der neue US-Präsident Barack Obama bereits einen Kandidaten ausgesucht: Sein Bürochef soll der derzeitige demokratische Abgeordnete Rahm Emanuel werden, der im Kongress als harter Knochen gilt. Die FTD stellt vier weitere der wichtigsten Berater aus dem inneren Kreis um Obama vor.
Obamas außenpolitische Chefberaterin war im Wahlkampf die 44-jährige Susan Rice. Die in Oxford und Stanford ausgebildete Rice hat bereits eine beeindruckende Karriere hinter sich: In der Regierung von Präsident Bill Clinton war sie zunächst Mitarbeiterin im Nationalen Sicherheitsrat und zuständig für internationale Organisationen und Friedenseinsätze, dann wurde sie zur Abteilungsleiterin für Afrika befördert. 1997 wechselte sie als Staatssekretärin ins Außenministerium. Während der Bush-Zeit ging sie wie viele demokratische Außenpolitiker ins "Exil" - sie nahm einen Job bei der liberalen Denkfabrik Brookings Institution an.
Als Afrikaexpertin hat Rice sich mit den dortigen Problemen beschäftigt - Armut, zerfallende Staaten, Völkermord. Dass Obama im Wahlkampf ein stärkeres Engagement des Westens gegen den Genozid im sudanesischen Darfur forderte, dürfte auch auf Rice' Einfluss zurückzuführen sein. Sie wird derzeit für zwei Ämter in der Obama-Regierung gehandelt: Sicherheitsberaterin oder Uno-Botschafterin.
Der verteidigungspolitische Berater von Obama, Richard Danzig, hat eine etwas plakative Art, seine Sicht auf Amerikas künftige Militärpolitik darzulegen: Bei einer Konferenz im Juni überraschte der 64-jährige Jurist die Zuhörer mit der Äußerung, bei dem britischen Kinderbuch "Pu der Bär" handele es sich seiner Ansicht nach um "einen Grundlagentext der Sicherheitspolitik". Aus den Missgeschicken, die dem Bären "von sehr geringem Verstand" passieren, lasse sich eine einfache Lehre ziehen: Wenn etwas zu sehr weh tut, versuche etwas anderes.
Danzig, der unter Clinton als Marinestaatssekretär und als Marineminister im Pentagon arbeitete, will diese Weisheit auf den Antiterrorkrieg übertragen. Seiner Meinung nach stärkt das aggressive militärische Vorgehen der USA die Extremisten, weil diese sich dadurch "wie Luke Skywalker" als Superhelden im Kampf gegen die Übermacht fühlen können. Wie Obama befürwortet er daher einen neuen Ansatz für die US-Nahostpolitik. In der Regierung könnte Danzig Sicherheitsberater oder Verteidigungsminister werden.
Obamas finanz- und handelspolitischer Berater Daniel Tarullo ist ein Veteran diverser liberaler Denkfabriken und der Clinton-Regierung. Im Weißen Haus war er unter anderem für internationale Wirtschaftsthemen zuständig und Clintons "Sherpa" bei den G7- und G8-Treffen.
2006 stieß Tarullo zu Obamas Team. Eines seiner Spezialgebiete ist die Finanzmarktregulierung - ein Thema, das Obama weidlich beschäftigen wird. Tarullo vertrat bereits lange vor der aktuellen Krise die Ansicht, dass die Finanzmärkte stärker reguliert werden müssen. In Clintons Regierung fand diese Meinung jedoch wenig Freunde. "Tarullos intensives Interesse an der Regulierung von Banken spiegelt sich bisher im Wahlkampf nicht wider", schrieb das US-Magazin "National Journal" im März auch über Obama. Das hat sich geändert. Tarullo könnte unter Obama US-Handelsbeauftragter werden.
Der massive Ausbau erneuerbarer Energien und der Aufbau eines Emissionshandelssystems sind zentrale Projekte Obamas. Durch Milliardeninvestitionen in "Greentech" will er nicht nur den Klimawandel bekämpfen, sondern auch die Abhängigkeit Amerikas von Ölimporten mindern und den USA zur Führung in einem der wichtigsten neuen Wirtschaftszweige verhelfen. Sein Chefberater für Energie- und Klimapolitik ist Jason Grumet, ein langjähriger Experte auf diesem Gebiet. Wie Obama hat er in Harvard studiert.
Vor allem hat Grumet durch seine frühere Tätigkeit in parteiübergreifend organisierten Denkfabriken und Kommissionen Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Republikanern und der Industrie. Ohne die Einbeziehung der Opposition und der Wirtschaft wäre die Gefahr groß, dass das Projekt im Kongress von den Republikanern und Industrielobbys zu Fall gebracht wird. Grumet wird von einigen Beobachtern als möglicher Energieminister der Obama-Regierung gehandelt.
Zudem wird darüber spekuliert, dass Obama das neue Amt eines "Klimazaren" schaffen könnte, ein Sonderberater und -repräsentant für Klimathemen. Dieser Posten, so die Erwartung, würde an den Ex- Vizepräsidenten und heutigen Klimaschutzaktivisten Al Gore gehen.