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Merken   Drucken   15.07.2012, 11:00 Schriftgröße: AAA

Shitstorm in China: Chinesen plündern Toiletten mit Gratisklopapier

China hat ein Problem mit seinen öffentlichen Toiletten. Mal sind sie überfüllt, mal unfassbar dreckig. Eine Stadt wollte alles besser machen - und sorgte für einen Sturm auf die Klos. Nun diskutiert das ganze Land.
© Bild: 2012 Getty Images/RedChopsticks
China hat ein Problem mit seinen öffentlichen Toiletten. Mal sind sie überfüllt, mal unfassbar dreckig. Eine Stadt wollte alles besser machen - und sorgte für einen Sturm auf die Klos. Nun diskutiert das ganze Land.
von Peking

Ein stilles Örtchen sind öffentliche Toiletten in China wahrlich nicht. Gerade im alten Pekinger Stadtzentrum, wo viele Chinesen keine Toilette in ihrer Wohnung haben, ist das Klo für alle gut besucht. Im Damenbereich existieren häufig Großraumvarianten ohne Kabine und Schüssel, dafür mit einem Keramikloch im Boden.

Doch nicht die mangelnde Privatsphäre sorgt seit einiger Zeit für Unmut unter den Chinesinnen, sondern die Überfüllung. Schon im Februar okkupierte deshalb eine Gruppe Mädels die Männertoiletten im südchinesischen Guangzhou, dem früheren Kanton. Sie forderten eine Aufstockung der Klosetts, um der nicht enden wollenden Schlangen bei den Frauen Herr zu werden.

In der Hauptstadt hingegen ist das eine Provinzposse. Hier hat man ganz andere Lokusprobleme. Gerade haben die Behörden eine Zwei-Fliegen-Politik verabschiedet, um die allgemein zugänglichen Örtchen sauberer zu bekommen. Seither sind maximal zwei brummende Insekten pro Kabine geduldet, danach gilt das Klo als zu dreckig. Welche Konsequenzen den Verantwortlichen drohen, falls die Quote gerissen wird, ist jedoch offen.

Auch in Qingdao an der Nordküste sollen die Toiletten komfortabler werden. Örtchen, die sich in der Nähe beliebter Touristenplätze befinden, wurden deshalb mit Klopapier ausgestattet - eine absolute Seltenheit in China. 200.000 Euro ließ sich die Verwaltung den Luxus kosten. Das Volk war begeistert - und plünderte die öffentlichen Örtchen. Die Bewohner benutzten das Tuch, um sich das Gesicht, Füße und Schuhe zu putzen - oder nahmen es einfach mit nach Hause. Einigenorts seien bis zu zwei Kilometer Papier pro Tag verbraucht worden, berichten Beobachter in einschlägigen Onlineforen. Nun diskutiert das ganze Land, schimpft auf egoistische Mitbürger und notorische Absahner. Ein echter Shitstorm eben.

"Viele Chinesen haben die Mentalität: Bedien dich, wenn es dich nichts kostet. Es ist dringend nötig, ihre moralischen Standards und ihren Sinn für die Allgemeinheit zu verbessern", poltert etwa der User "Unschuldige Jahre" gegen die Klogänger.

Andere hingegen machen jahrelange Mangelerfahrung für den Run verantwortlich. Der bekannte Kommentator Zhang Junyu warnt davor, die Regierung aus der Pflicht zu nehmen. Zu langsam komme sie dabei voran, öffentliche Güter zugänglich zu machen. "Wenn Gratistoilettenpapier überall verfügbar wäre, würde sich niemand so darum reißen."

  • FTD.de, 15.07.2012
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