"Jeder Investor fragt sich, welche Auswirkungen die Probleme auf dem Häusermarkt auf den Verbraucher haben. Jeder will wissen, ob der Verbraucher das nächste Zahnrad ist, das ausfällt", sagt Joe Astorina, Experte für US-Verbriefungen bei Barclays Capital. "Während früherer Abschwünge hat der private Konsum den Rest der Wirtschaft gestützt, aber wir denken, dass es dieses Mal anders sein könnte."
Ursache für die Sorge der Investoren ist, dass sich in den sechs Jahren nach der Jahrtausendwende die Verbraucherschulden mehr als verdoppelt haben. Vor 2000 betrugen die Schulden der US-Verbraucher insgesamt 6400 Mrd. $. Ende 2006 waren sie auf mehr als 13.000 Mrd. $ angeschwollen.
Nun aber geraten Amerikas Verbraucher von mehreren Seiten unter Druck: fallende Hauspreise, hohe Hypothekenschulden, wachsende Arbeitslosigkeit sowie steigende Kosten für Lebensmittel und Energie. Daher befürchten Investoren, dass Kreditnehmer immer größere Probleme haben werden, ihre Kreditkartenschulden, Autokredite und Studentendarlehen zurückzuzahlen.
Ähnliches Muster
Ähnlich wie Hypotheken wurden derlei Schulden in Wertpapieren verbrieft und an Investoren verkauft. Das hat bei den Investoren die Sorge aufkommen lassen, dass ein größerer Druck auf den US-Verbraucher mehr Probleme für die weltweiten Schuldenmärkte zur Folge haben könnte.
Inzwischen mehren sich die Zeichen, dass dieser Vorgang bereits eingesetzt hat. Analysten sagen jedoch, noch sei es schwer zu sagen, wie groß das Ausmaß sein könnte und ob die Entwicklung weiter gehende Folgen für die Verbriefungen von Verbraucherschulden haben wird. Jeffrey Rosenberg, Leiter für Kreditstrategie bei Bank of America, sagt, die Märkte stünden am Scheideweg: Entweder es komme zu einer Erleichterungsrally oder es gehe bergab, wobei immer noch die Frage sei, ob es zu einer leichten oder eine tieferen, längerfristigen Rezession komme. "Frühestens im Juni werden die Daten zeigen, wie stark der Verbraucher von der Kreditkrise betroffen ist", so Rosenberg.
Das Beispiel Kreditkarten: Dem Fitch Credit Card Index zufolge geraten Kreditkarteninhaber dieses Jahr viel häufiger in Verzug als im vergangenen. Im April nahm die Kreditausfallquote für erstklassige Kreditkartenportfolios den sechsten Monat in Folge zu und erreichte 6,18 Prozent.
Unterdessen steigen die Kreditkartenaußenstände, da andere Finanzierungsquellen wie Hypothekenrefinanzierung nicht mehr so leicht verfügbar sind. Die revolvierenden Kredite, die in erster Linie aus Kreditkartenforderungen bestehen, sind 2007 um mehr als 7,5 Prozent gestiegen. Laut US-Zentralbank belaufen sie sich mittlerweile auf fast 952 Mrd. $.
Trotz dieser Bedenken kaufen Investoren weiter vorsichtig forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS). In den vergangenen Wochen hat die Ausgabe von verbrieften Wertpapieren außerhalb des Hypothekensektors leicht angezogen - wenn auch mit deutlich höheren Risikoaufschlägen.