Liberias früherer Präsident Charles Taylor ist als erstes Ex-Staatsoberhaupt seit 1946 von einem internationalen Tribunal wegen Kriegsverbrechen für schuldig befunden worden. Taylor hat laut Anklage im Nachbarland Sierra Leone blutrünstige Rebellen unterstützt. Das Strafmaß muss der Sondergerichtshof noch festlegen.
Taylor war in elf Punkten angeklagt, darunter Mord, Vergewaltigung, Rekrutierung von Kindersoldaten und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er soll in dem rund ein Jahrzehnt dauernden blutigen Bürgerkrieg im Nachbarland Sierra Leone in den 1990er Jahren seine Position missbraucht haben, um dort die brutale Rebellentruppe "Revolutionäre Vereinigte Front" (RUF) mit Waffen auszurüsten. Als Gegenleistung hat Taylor laut Staatsanwaltschaft wertvolle Diamanten aus den Minen Sierra Leones erhalten.
Das Verfahren fand aus Sicherheitsgründen nicht in der Hauptstadt Freetown, sondern in Den Haag statt. Das Sondergericht für Sierra Leone wurde von der Regierung des westafrikanischen Landes und der Uno eingerichtet. Es soll die mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für die Gräueltaten während des Bürgerkrieges zur Rechenschaft ziehen. Von den ursprünglich 13 Angeklagten wurden acht wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt.
Im Juni 2007 begann der Prozess gegen den Ex-Diktator. Die Anklage ließ 94 Zeugen aufmarschieren, darunter Prominente wie die US-Schauspielerin Mia Farrow, Südafrikas früheren Präsidenten Nelson Mandela und das britische Top-Model Naomi Campbell. Sie hatte 1997 nach einem Benefiz-Dinner in Kapstadt Diamanten geschenkt bekommen, die von Taylor stammen sollen. Die Verteidigung rief 21 Menschen in den Zeugenstand. Auch Taylor selbst trat als Zeuge auf. Er plädiert in allen Anklagepunkten auf unschuldig.
Taylor kam 1997 als Chef einer Rebellentruppe an die Macht. Vorausgegangen war ein blutiger Bürgerkrieg, in dem 250.000 Menschen getötet wurden. 2003 wurde Taylor von einer anderen Rebellentruppe verdrängt. Er ging zunächst ins Exil nach Nigeria. Drei Jahre später wurde der Ex-Präsident beim Grenzübertritt nach Kamerun festgenommen und an das Sondertribunal überstellt.
Mit den Schlussplädoyers von Anklage und Verteidigung endete der Prozess im März 2011. Seither mussten die Richter rund 50.000 Seiten mit Zeugenaussagen lesen und 1520 Beweisstücke untersuchen. Das Strafmaß wird zu einem späteren Zeitpunkt verkündet. Eine Haftstrafe müsste Taylor in Großbritannien absitzen.