Schlanker aber nicht weniger schlagkräftig soll die Armee werden. Verteidigungsminister Panetta muss wegen der horrenden Schuldenprobleme sparen. FTD.de zeigt, wo Kürzungen vorgesehen sind.
von Kai BellerBerlin
US-Verteidigungsminister Leon Panetta ist gezwungen zu sparen. Die gewaltige Summe von fast 500 Mrd. Dollar muss er aus dem Etat des Pentagon herausschneiden und damit seinen Beitrag zur Sanierung des US-Haushaltes leisten.
Panettas Sparplan ist auf zehn Jahre angelegt. Am Ende dieser Periode wird der Militärhaushalt immer noch größer sein als am Ende der Amtszeit von Präsident Barack Obamas Vorgänger George W. Bush. Durch die Kriege in Afghanistan und Irak schnellte das Budget in die Höhe.
Ein Soldat der 101st Airborne Division in Afghanistan
Die Truppenstärke soll erheblich reduziert werden. Das aktive Herr werde in den nächsten zehn Jahren um rund 70.000 auf 490.000 Mann verringert, sagte Verteidigungsminister Panetta. Auch die Marines, die Infanterieeinheit der Seestreitkräfte, sind von den Kürzungen betroffen. Deren Truppenstärke soll von etwas mehr als 200.000 auf 182.000 Mann verringert werden.
Nach der Reduzierung ist die Armee immer noch stärker als zu Beginn des Irakkriegs. Wegen des Einsatzes war die Truppenstärke der Armee um 95.000 Mann erhöht worden. Auch die Marines bekamen zusätzlich 30.000 Soldaten.
Verteidigungsminister Panetta will die Kampfkraft der Armee erhalten
Panetta sieht die Kampfkraft der Armee trotz der Einschnitte nicht als gefährdet. "Wir wollen weiterhin die stärksten Streitkräfte in der Welt bleiben." Die US-Militärs seien weiterhin in der Lage, "jeden Gegner überall und jederzeit" zu besiegen. Panetta setzt dabei vor allem auf Spezialkräfte, wie die Navy Seals, die bei der Tötung von Terroristenchef Osama bin Laden im Einsatz waren und zuletzt entführte Entwicklungshelfer in Somalia befreiten.
Die konservativen Republikaner kritisieren die Kürzungspläne als Gefahr für die nationale Sicherheit. Senator John McCain warf Panetta und Präsident Barack Obama vor, die Lektionen der Geschichte zu ignorieren. Und der Abgeordnete Buck Mckeon sagte, Obama gebe mit den Einschnitten in den Verteidigungsetat, eine Struktur auf, die Amerika für zwei Generationen gesichert habe.
Der US-Stützpunkt im bayrischen Grafenwöhr (Oberpfalz)
Die amerikanische Militärpräsenz in Europa wird drastisch heruntergefahren: Zwei der gegenwärtig vier Brigaden in Europa sollen gestrichen werden, sagte Panetta. Gut 10.000 Soldaten werden den Kontinent verlassen. Konkrete Standorte nannte Panetta nicht. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass sich die US-Armee teilweise aus Deutschland zurückziehen wird.
Hierzulande sind drei der vier europäischen US-Brigaden stationiert. Laut Medienberichten könnten vor allem die 170. Infanteriebrigade im pfälzischen Baumholder und die 172. Infanteriebrigade im bayerischen Grafenwöhr betroffen sein.
Die Verringerung der Präsenz in Europa steht im Zusammenhang mit dem Strategiewechsel der US-Verteidigungspolitik. Präsident Obama hat den asiatisch-pazifischen Raum und den Mittleren Osten zum neuen Schwerpunkt erklärt. Dort wollen die USA ihre Vorherrschaft gegen die aufstrebende militärische Großmacht China verteidigen.
Aber Pentagonchef Panetta braucht auch Argumente, um unpopuläre Standortschließungen in den USA durchzusetzen. Der demokratische Senator Carl Levin, Vorsitzender des Streitkräftesausschusses, sagte, er könne die Aufgabe von Standorten in Amerika erst dann unterstützen, wenn europäische Basen geschlossen worden sind.
Teure Rüstungsprojekte werden zeitlich gestreckt oder fallen dem Rotstift zum Opfer. Die Regierung will etwa beim größten Rüstungsprojekt, der Beschaffung des Mehrzweckkampfflugzeugs F-35 von Lockheed Martin, Bestellungen hinauszögern. Gleiches gilt unter anderem für den Kauf von U-Booten. Gestrichen wird die Aufklärungsdrohne Global Hawk von Northrop Grumman. Auch andere Rüstungskonzerne sind von den Kürzungen betroffen.
Die Marine wird acht Kreuzer schneller aus Dienst stellen als bislang geplant. Die Luftwaffe soll auf sechs taktische Luftgeschwader verzichten. Keine Aussagen enthält das Programm zur nuklearen Streitmacht, obwohl sich Obama dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt verschrieben hat.
Auf die Global-Hawk-Drohne will das Militär verzichten
Keine Abstriche gibt es bei Vorhaben, die als wichtig angesehen werden für die Aufgaben im Mittleren Osten und im pazifischen Raum. Dazu gehört der Bau einer neuen Generation von Flugzeugträgern. Auch auf die Modernisierung der U-Boot-Flotte will Panetta nicht verzichten. Um die Schlagkraft zu erhöhen, sollen die Atom-U-Boote so umgerüstet werden, dass sie mehr Marschflugkörper tragen können.
Investieren will die Regierung auch in die Sicherung des Cyberspace. Zudem soll Geld in die Entwicklung unbemannter Flugsysteme gesteckt werden.
Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr
Die Bundeskanzlerin lehnt Eurobonds kategorisch ab. Vielleicht könnte sie den Plänen zu einer europäischen Einlagensicherung eher zustimmen? Das Vertrauen in die Banken würde steigen. mehr
Die Idee einer Wiedereinführung der Vermögensteuer mag populär sein, klug ist sie jedoch nicht. Denn der bürokratische Auffwand ist unabsehbar. Lohnenswerter wäre eine Reform der Erbschaftsteuer. mehr
Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?
An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?
Aus Sicherheitsgründen möchten wir Ihre E-Mail-Adresse bestätigen.
Klicken Sie bitte dazu den Aktivierungs-Link, den wir Ihnen
gerade per E-Mail an zugesendet haben.
Die Energiewende soll kommen - doch ohne den Ausbau von Stromnetzen kann kein Ökostrom fließen. 30 Mrd. Euro kostet die Modernisierung der Trassen. Für Kanzlerin Merkel steht der Atomausstieg aber nicht zur Disposition. mehr
Viele meinen, ein Austritt der Griechen aus der Währungsunion sei ein beherrschbares Problem. Das könnte sich als verheerende Fehleinschätzung erweisen. mehr
Das hochverschuldete Japan leidet unter der schwachen Nachfrage nach Staatsanleihen. Daher zieht Tokio nun alle Register: Singende Teenager in Miniröcken und Schuluniformen sollen das Geschäft beleben. mehr
Der Konsum der Spanier ist schon lange im Sinkflug - so heftig wie im April fiel das Minus aber noch nie aus. Das Land verdaut die Folge der Immobilienblase und sorgt sich um die Zukunft des Bankensektors. mehr
Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions
AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!