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14.11.2010, 12:00
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Sprachen in China:
Der bedrohte Stolz von Guangzhou
Peking drückt Mandarin als Staatssprache durch und verärgert die Bevölkerung. Vor den Asienspielen mehren sich die Proteste.
von Christiane Kühl, Schanghai
Wang Zhiping ist stolz auf ihre Heimatstadt. Die 14-Millionen-Metropole Guangzhou liegt in Chinas Südprovinz Guangdong. Als "Werkbank der Welt" ist die Industrieregion bekannt. Stolz ist die 38-jährige Wang aber vor allem auf das Kantonesisch, die lokale Sprache in Guangdong, die Chinesen aus dem Norden nicht verstehen. "Es ist ein sehr schöner Dialekt", sagt Wang. "Ich spreche ihn, wann immer es möglich ist."
Doch Wangs Stolz ist bedroht. Wie sie befürchten viele Menschen in Guangzhou - früher von westlichen Kaufleuten Kanton genannt - eine schleichende Verdrängung des Kantonesischen durch die offizielle chinesische Staatssprache Mandarin aus dem Norden.
Chinesisches Sprachengewirr
Jüngster Anlass zur Sorge für die traditionsbewussten Kantonesen sind die am Freitag beginnenden Asienspiele, eine Art asiatisches Olympia und ein absolutes Großereignis für Guangzhou. Für die Spiele sollten die lokalen Fernsehsender von Kantonesisch auf Mandarin umgestellt werden, schlugen Delegierte der Politischen Konsultativkonferenz, eines Beratergremiums in Peking, vor.
Und auch wenn die Lokalregierung zunächst nichts entschied, gingen Hunderte Kantonesen auf die Straße, um ihre Sprache zu verteidigen. Im ebenfalls kantonesisch sprechenden Hongkong gab es Solidaritätskundgebungen. "Kantonesisch ist eine der wichtigsten Traditionen in Guangdong. Das kann man nicht ersetzen", sagt Wang.
Der Streit um die Sprachenvielfalt Chinas ist zu einer Quelle der Unruhe geworden. Der autoritäre Zentralstaat pusht das im Norden gesprochene Mandarin, seit 1949 unter der Bezeichnung Putonghua, was so viel heißt wie "normale Sprache", als Staatssprache im ganzen Land: Es muss in Behörden sowie den meisten Schulen und - mit Ausnahme regionaler Fernsehstationen wie in Guangzhou - in den Staatsmedien gesprochen werden.
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FTD.de, 14.11.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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