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  FTD-Serie: Analyse des Desasters

Was gestern vor einer Woche noch unvorstellbar war, ist heute Wirklichkeit: Investmentbanken implodieren, die US-Regierung verstaatlicht mit Hilfe der Fed den größten US-Versicherer und der deutsche Einlagensicherungsfonds scheint auch nicht mehr so sicher wie geglaubt. FTD.de analysiert und kommentiert die unglaublichen Vorgänge.

Merken   Drucken   27.10.2008, 09:03 Schriftgröße: AAA

Staatsbankrott: Island - Insel der Unglückseligen  

Die Finanzkrise nimmt immer skurrilere Züge an: Erst beruft sich London auf Antiterrorgesetze, jetzt warnen die Isländer vor einem zweiten Versailles. von Clemens Bomsdorf (Kopenhagen)
Petur Blöndal befindet sich im Krieg. Im Finanzkrieg. Der Vorsitzende des Finanzausschusses des isländischen Parlaments weiß, dass er den Krieg bereits verloren hat. Island steht kurz vor dem Bankrott. Jetzt hat Blöndal Angst vor einem zweiten Versailles. Mit noch schlimmeren Folgen für seine kleine Inselrepublik. Die Forderungen Großbritanniens und der Niederlande an Island seien um ein Vielfaches höher als die Bürde, die Deutschland im Vertrag von Versailles nach dem Ersten Weltkrieg auferlegt wurde, sagt Blöndal. "Island droht pro Kopf zweimal so viel zahlen zu müssen wie damals Deutschland." Er rechnet vor: Wenn die Isländer das ganze Geld, das britische und niederländische Sparer auf isländischen Bankkonten angelegt haben, zurückzahlten, dann ergebe das eine Summe von 8 Mrd. Euro. "Auf die knapp 300.000 Einwohner Islands umgerechnet sind das 25.000 Euro pro Kopf", so der Politiker. In Versailles seien pro Deutschen umgerechnet zwei drittel Kilo Gold gefordert worden. Das entspreche beim Goldpreis rund 12.000 Euro. Mit Deutschland und Zahlen kennt sich Blöndal aus. In Köln hat er Mathematik studiert.
Der strittige Vergleich zeigt, in welcher Misere Island steckt. Wenn die Briten ihre Forderungen durchsetzen, würde Island darunter jahrzehntelang leiden, so Blöndals Botschaft. "Wir müssten die Steuern drastisch erhöhen, die jungen und qualifizierten Leute würden auswandern. Wir könnten diese Summe gar nicht bezahlen. So wie Deutschland damals."

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