Regierungschef als BefehlsempfängerIn Putins Amtszeit wurde die Regierung auch optisch zu einem Organ degradiert, das zwar für Fehler die Verantwortung übernehmen muss, aber nur als Befehlsempfänger auftritt: Putin ließ die Minister regelmäßig in vom Fernsehen übertragenen Schaugesprächen antreten, wobei er sie rügte oder in knappen Anweisungen zu energischem Handeln aufrief. Passend dazu wurde die Position des Ministerpräsidenten Schritt für Schritt heruntergestuft. Ließ sich der damalige Premier Michail Kasjanow noch von Zeit zu Zeit mit einer eigenen Meinung vernehmen, so war sein Nachfolger Michail Fradkow ein blasser Bürokrat. Der danach ernannte Ministerpräsident Viktor Subkow wiederum war von Anfang an nur als Übergangsfigur vorgesehen. Schon bald nach seiner Ernennung wurde der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass künftig Putin das Amt übernehme.
Andrej Illarionow ist ein früherer Wirtschaftsberater Putins und heute einer seiner schärfsten Kritiker. Er glaubt, dass das künftige Duo sich selbst noch nicht im Klaren darüber ist, wie die Rollenverteilung funktionieren soll. Wichtigstes Ziel Putins aber sei es, seine Hinterlassenschaft zu schützen, schrieb Illarionow in einem Beitrag für die russische Wochenzeitschrift "New Times": "die Monopolisierung der Macht, die Konzentration der finanziellen, wirtschaftlichen und medialen Ressourcen sowie die Umverteilung des Eigentums zugunsten seiner eigenen Leute".
Vor allem Letzteres sieht auch Stanislaw Belkowski als vorrangige Aufgabe Medwedews. Der Moskauer Politologe wirft Putin vor, sich an Staatsunternehmen bereichert zu haben und nun das erworbene Eigentum legalisieren zu wollen. "Dass Medwedew ein Liberaler ist, ist ein Märchen, das man dem Westen auftischt, um die Beziehungen zu verbessern", sagte Belkowski. "Es könnte dann leichter werden, das Eigentum ins Ausland zu schaffen, wo es vor dem Zugriff anderer geschützt ist."