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Merken   Drucken   07.01.2011, 11:24 Schriftgröße: AAA

Steigende Agrarpreise: Die Angst vor dem Hunger ist zurück

Extremes Wetter, wachsende Weltbevölkerung, Spekulation: Der Anstieg der Nahrungsmittelpreise hat viele Ursachen. Leidtragende sind die Menschen in Entwicklungsländern. Doch für die Bauern bietet der Nachfrageboom auch eine riesige Chance. von Max Borowski  Berlin
Hilfsorganisationen warnen vor einer neuen Hungerkrise in den Entwicklungsländern. Der Nahrungsmittel-Preis-Index der Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) hatte am Mittwoch einen neuen Höchststand erreicht. Der Preis für Zucker etwa stieg auf dem Weltmarkt im zweiten Halbjahr 2010 um 77 Prozent, der Getreidepreis um durchschnittlich 57 Prozent. Auch Preise für Fleisch, Speiseöle und Gemüse stiegen deutlich.
Zwar ist die Situation derzeit noch nicht so dramatisch wie im Sommer 2008, als es in zahlreichen armen Ländern zu blutigen Hungerunruhen kam. Doch Experten warnen vor einer Wiederholung der Krise. "Vor allem die Situation bei Weizen und Mais macht uns Sorgen", sagte die Agrarexpertin Marita Wiggerthale von der Hilfsorganisation Oxfam. Die weltweiten Preise für diese Getreidearten seien derzeit zwar noch niedriger und die Lagerbestände etwas höher als vor der Krise 2008. "Aber eine weitere schlechte Ernte in einem der großen Erzeugerländer könnte zu einer neuen Knappheit führen", sagte Wiggerthale.
Reis- und Weizenpreis   Reis- und Weizenpreis
Fünf große Anbauländer - die USA, die EU, Russland, Kanada und Australien - beherrschen den Weizenweltmarkt. In mehreren dieser Länder zeichnen sich bereits Ernteausfälle ab. In Russland kam es nach den verheerenden Bränden des vergangenen Jahres zu einer verspäteten Weizenaussaat. In Australien wüteten zunächst eine Dürre und dann Überflutungen. Zudem befürchten Meteorologen, dass das Wetterphänomen "La Niña" im Pazifik in diesem Jahr für extremes Wetter in wichtigen Getreideanbaugebieten der Welt sorgen könnte.
Entwarnung geben die Experten dagegen beim Reis. Der Preis für das Hauptnahrungsmittel für rund drei Milliarden Menschen vor allem in Asien ist derzeit weitgehend stabil und liegt weit unter dem Niveau von 2008.
Dass es in den meisten Entwicklungsländern noch nicht zu so dramatischen Situationen wie vor zweieinhalb Jahren gekommen ist, liegt einerseits daran, dass es derzeit weniger essenzielle Produkte wie Zucker, Speiseöl und Fleisch sind, deren Preise explodieren, während vor allem der Reispreis stabil bleibt. Außerdem hätten einige Entwicklungsländer Konsequenzen aus der Krise gezogen, sagte der Deutschlandchef des Welternährungsprogramms Ralf Südhoff.
"Malawi hat sehr erfolgreich seine Nahrungsproduktion gesteigert, indem es seine Bauern einerseits etwas mit günstigen Düngemitteln subventionierte und andererseits mit Zöllen vor dem Weltmarkt abschirmte." Eine weltweite Wende im Kampf gegen den Hunger sieht er allerdings nicht. Im Gegenteil: Die Zahl der Hungernden sei 2010 um 100 Millionen gestiegen. In armen Ländern, die ihre Exportabhängigkeit nicht verringern konnten, seien auch Preise für Grundnahrungsmittel wieder dramatisch gestiegen, sagte Südhoff.

Teil 2: Kleinbauern als Hoffnungsträger

  • Aus der FTD vom 07.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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