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Merken   Drucken   31.01.2010, 08:56 Schriftgröße: AAA

Strategiewechsel: Wende in der Afghanistan-Politik war überfällig  

Kommentar Nie war der Widerstand der Deutschen gegen den Afghanistaneinsatz so groß wie jetzt. Die neue Strategie der Bundesregierung war deshalb überfällig - endlich schweigt sie nicht länger. von Joachim Zepelin 
Deutschland ist in Afghanistan gescheitert, die internationale Gemeinschaft hat versagt, die afghanische Regierung sowieso. So ungefähr lautet die Bilanz nach acht Jahren Einsatz am Hindukusch. Es mag hier und dort kleine und für die Bevölkerung wichtige Fortschritte geben, mehr Schüler und vor allem mehr Schülerinnen oder eine bessere Versorgung mit Strom und Wasser. Doch insgesamt sind acht Jahre vertan worden - erst recht, wenn man die Ziele mit dem Erreichten vergleicht.
Das ist die eigentliche Botschaft der jetzt von der deutschen Bundesregierung beschlossenen Afghanistan-Wende. Der neue Ansatz ist ein radikaler Politikwechsel, nicht nur in Afghanistan, sondern viel mehr noch in Deutschland. Und er gibt zumindest ein wenig Hoffnung, dass der Einsatz doch noch zu einem halbwegs erträglichen Ende führt.
Merkel beschönigt nur die Lage
Außenminister Guido Westerwelle formulierte griffig: "Es gibt keine Garantie, dass die neue Strategie erfolgreich sein wird. Aber es ist sicher, dass die alte gescheitert ist." Er kann dieses Eingeständnis so offen aussprechen, weil er erst kurz Regierungsverantwortung trägt. Union, SPD und Grüne sind für das Afghanistan-Engagement auf kleiner Flamme verantwortlich. Auch darum drückte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel wachsweich aus, als sie am Mittwoch in ihrer Regierungserklärung eine "gemischte Bilanz" zog. Die internationale Gemeinschaft habe ihre Ziele in Afghanistan "noch nicht" erreicht, sagte sie. Die Realität ist: Noch nie war die Lage seit 2001 so schlecht wie heute. Nie gab es mehr Anschläge, mehr Tote, mehr von den Taliban kontrollierte Gebiete.

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  • FTD.de, 31.01.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 31.01.2010 14:07:43 Uhr   djmarvino: Afghanistanpolitik

    Toll wie unsere Politik unsere Bundeswehr in Afghanistan verheizen. Da wollten sich doch nur ein paar Politiker den Orden anheften, dass wir militärisch in der Welt wieder eine Rolle spielen. Erstens ist unsere Bundeswehr weder von der Ausrüstung noch taktisch und strategisch in der Lage, militärisch an der Lösung für Afghanistan mitzuarbeiten, das wäre so, als würde man ein Kind, das bis gestern im Sandkasten mit Förmchen gespielt hat, jetzt dazu auffordern, für die Dallas Mavericks Körbe zu werfen. Unsere liebe Kanzlerin hat sich so lange nicht zu dem Thema geäußert, weil auch sie nichts intelligentes zu diesem Thema zu sagen hat. Niemand in dieser Regierung hat auch nur die leiseste Ahnung, was da unten eigentlich passiert, deshalb auch der riesen Aufschrei nach der Bombardierung in Kundus. Oberst Klein hat doch tatsächlich die Frechheit besessen, eine brenzlige Situation zu erkennen und eine Entscheidung in diesem Afghanistaneinsatz zu treffen, der wahrscheinlich hunderten von Soldaten das Leben gerettet hat. Die Regierung hat überhaupt keine Ahnung, was passiert ist und schließt sich vorsorglich der Empörung der Wähler an. Wenn dem Soldaten nicht klar gemacht wird, was seine Aufgaben und Kompetenzen in Afghanistan sind, dann schickt sie doch einfach dort hin mit dem Befehl "Macht was die Amis Euch befehlen" oder lasst sie dort raus aus der Sache und macht das, was Ihr am besten könnt, unser Geld zum Fenster raus schmeißen, d.h. wie immer alles bezahlen, und dafür wenigstens ein paar deutsche Mütter mehr ihre lebenden Söhne in die Arme schließen und nicht an ihrem Grab stehn.

  • 31.01.2010 11:36:36 Uhr   Politikverdruss: "Liberale Strategie"
  • 30.01.2010 12:08:57 Uhr   melanie gatzke: Merkel drückt sich wie immer.
  • 30.01.2010 11:14:21 Uhr   Carmen Zubi Wagner: Welche Wende?
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