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  FTD-Serie: Analyse des Desasters

Was gestern vor einer Woche noch unvorstellbar war, ist heute Wirklichkeit: Investmentbanken implodieren, die US-Regierung verstaatlicht mit Hilfe der Fed den größten US-Versicherer und der deutsche Einlagensicherungsfonds scheint auch nicht mehr so sicher wie geglaubt. FTD.de analysiert und kommentiert die unglaublichen Vorgänge.

Merken   Drucken   20.10.2008, 16:54 Schriftgröße: AAA

Strauchelnde Supermacht: Zu früh für den Nachruf auf die USA  

Den Fall der USA auszurufen ist verfrüht: Andere Länder könnte die Finanzkrise noch härter treffen. Zudem gibt es keine Alternative zu Amerika als führende Nation und dem Dollar als Leitwährung. von Sabine Muscat (Washington)
Sieht so das Ende einer Weltmacht aus? Die Feinde höhnen, die Freunde wenden sich ab, Untergangstheoretiker haben Hochkonjunktur. Das US-Imperium nähere sich dem Ende, frohlockte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad. "Die USA werden ihren Status als finanzielle Supermacht verlieren", sagte der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück. Und der britische Historiker Paul Kennedy, Spezialist für Aufstieg und Fall von Großmächten, erinnerte an ein Gedicht von Percy Bysshe Shelly, in dem ein Wanderer die steinernen Beine einer Statue des einst mächtigen Ägypterkönigs Ozymandias findet.
Im gleichen Atemzug warnt Kennedy allerdings auch vor überhasteten Abgesängen auf Amerika. Supermächte bräuchten "eine schrecklich lange Zeit, um zu kollabieren". Die heutigen wirtschaftlichen Probleme der USA könnten den Abwärtstrend jedoch verstärken. "Die Neuverteilung der globalen Macht war bereits im Gange", sagt auch Parag Khanna von der New America Foundation, der in seinem Buch "Die zweite Welt" seine Vorstellung von einem postamerikanischen Zeitalter entworfen hat. "Aber die Finanzkrise könnte sie beschleunigen."
"Amerika wird als Verlierer aus der Krise herauskommen", glaubt Khanna. Den größten Einflussgewinn sieht er für Asien, vor allem für China, das mit Devisenreserven in Höhe von 1900 Mrd. $ ein enormes Polster hat. "Der Westen hat den Asiaten immer gesagt, sie sollten mehr konsumieren", sagt Khanna. Aber jetzt gelte: "Cash is king - und die Asiaten sitzen auf jeder Menge Cash."
Tage der Schadenfreude sind vorbei
Andere Beobachter sind sich weniger sicher, dass die aktuelle Krise den Anfang vom Ende der Supermacht Amerika markiert. "Die USA werden ihren Status als Wirtschaftssupermacht behalten", meint Simon Johnson vom Peterson Institute for International Economics, der früher Chefökonom beim IWF war. Rosig sieht die Wirtschaftslage aus amerikanischer Sicht in diesen Tagen zwar nicht aus. Doch gilt das eben längst nicht nur für die USA, sondern auch für viele andere Länder. "Die Tage des Fingerzeigens und der Schadenfreude sind vorbei", schrieb der frühere US-Zentralbankchef Paul Volcker im "Wall Street Journal".
Johnson glaubt sogar, dass "die USA relativ stark" aus der Krise kommen werden. Der Grund: Anderen Staaten könnte es noch schlechter gehen. Europas Bankensystem stecke in einem Sumpf. Fallende Rohstoffpreise würden den Exporteuren schaden, den US-Konsumenten und dem Staatshaushalt aber nutzen. Und der Nachfragerückgang in den USA bringe Chinas exportgetriebenes Wachstum in Gefahr.

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