Mit harschen Worten kritisierte Japans Premier
Taro Aso in einem Interview mit der Financial Times die Skepsis von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gegenüber neuen Milliardenprogrammen. "Es gibt Länder, die verstehen die Bedeutung fiskalischer Maßnahmen, und es gibt Länder, die verstehen sie nicht", sagte Aso der FT. "Ich glaube, das ist der Grund, weshalb Deutschland diesen Standpunkt vertritt."
Auch die Industrieländerorganisation OECD fordert, dass Berlin mehr Geld für den Kampf gegen die Krise einsetzt. "Es bedarf weiterer Ankurbelungsmaßnahmen, die schnell umgesetzt werden müssten", heißt es im Deutschlandteil des neuen OECD-Wirtschaftsausblicks, der am Dienstag vorgelegt wurde. Die Organisation bemängelte, Deutschland unternehme deutlich weniger Anstrengungen als etwa die USA - obwohl der nötige Spielraum vorhanden sei.
Damit eskaliert der Streit um zusätzliche Milliarden zur Ankurbelung der Konjunktur. Ab Mittwochabend wollen die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in London über Maßnahmen gegen die Krise beraten. Die Bundesregierung hat bislang zwei Stimulusprogramme im Umfang von rund 80 Mrd. Euro aufgelegt. Weltweit sind rund 2000 Mrd. $ in Konjunkturpakete geflossen.
Japan hat bisher gut 90 Mrd. Euro zur Bekämpfung der Rezession bereitgestellt. Nun arbeitet Tokio an einem zweiten Paket im Umfang von bis zu 150 Mrd. Euro. Die Regierung wolle "alle verfügbaren Mittel mobilisieren", um einen Absturz zu verhindern, sagte Aso. Der Premier verwies auf traumatische Erfahrungen seines Landes während der Krise in den 90er-Jahren.
Auch Mike Froman, ein Wirtschaftsberater von US-Präsident
Barack Obama , sagte am Dienstag in London, die Ankurbelung der Konjunktur bleibe weiter das drängendste Problem. Deutschland und die meisten anderen Staaten Kontinentaleuropas sperren sich bislang gegen Forderungen nach zusätzlichen Konjunkturprogrammen. Die Regierungen verweisen dabei auf die hohen öffentlichen Schulden und Haushaltsdefizite.