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Merken   Drucken   23.01.2012, 16:43 Schriftgröße: AAA

Streit um Atomprogramm: Iran droht Europa wegen Ölembargo

Die Führung in Teheran will dem europäischen Boykott trotzen. Mit Drohgebärden reagieren iranische Politiker auf den Beschluss der 27 EU-Staaten. Doch der Lieferstopp könnte die Wirtschaft des Landes hart treffen.
Der Iran hat auf das Ölembargo der EU mit Drohungen reagiert. Parlamentarier in Teheran sprachen davon, die für den Öltransport wichtige Straße von Hormus zu schließen. Die Sanktionen würden die Europäer härter treffen als den Iran, hieß es. Die EU-Länder beschlossen, ab 1. Juli alle Öleinfuhren aus der islamischen Republik zu stoppen. Außerdem sollen die Konten der iranischen Zentralbank in der EU eingefroren werden. Der britische Außenminister William Hague sprach von einem "beispiellosen Sanktionspaket".
Das iranische Atomprogramm...

 

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Doch das Embargo trifft das Land an einer empfindlichen Stelle. Der Iran ist wirtschaftlich auf die Einnahmen aus dem Ölgeschäft angewiesen. Greift das Embargo wie erhofft, trifft das den Staatshaushalt massiv, der zum größten Teil durch Öleinnahmen finanziert wird. Nach Angaben der Commerzbank ist die EU ist mit einer Tagesimportmenge von 450.000 Barrel und einem Anteil von knapp 20 Prozent an den gesamten iranischen Ölexporten der zweitgrößte Abnehmer.
"Das Embargo wird keine Auswirkungen auf den Iran haben", sagte der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Nationale Sicherheit und Außenpolitik, Alaeddin Borujerdi, der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. "Wenn man die wirtschaftlichen Turbulenzen in Europa in Betracht zieht, wird es die EU-Mitgliedsstaaten de facto härter treffen." Ali Fallahian, Mitglied des einflussreichen Expertenrates, forderte einen sofortigen Stopp der Öllieferungen. Da die Europäer dann nicht genug Zeit hätten, auf andere Quellen zu wechseln, würde dies einen Preisschock auslösen, sagte der ehemalige Geheimdienstminister.
Die von der Schuldenkrise hart getroffenen südeuropäischen Länder Griechenland, Italien und Spanien hatten eine längere Übergangsfrist gefordert. Vor allem die Griechen sind von iranischen Lieferungen abhängig. Allerdings hatte sich Saudi-Arabien, ein Erzfeind des Regimes in Teheran, bereiterklärt einzuspringen.
Der Iran hatte wiederholt behauptet, es sei kein Problem, andere Abnehmerländer zu finden. Allerdings muss das Land dafür erhebliche Preisabschläge in Kauf nehmen. Auch China ist offenbar nicht bereit, als Abnehmer einzuspringen. Im Dezember reduzierte Peking seine Ölimporte aus dem Iran um knapp die Hälfte.

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  • FTD.de, 23.01.2012
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