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Merken   Drucken   11.10.2010, 11:12 Schriftgröße: AAA

Streit um Landeswährung: China setzt auf Kräutertherapie beim Renminbi

Zufall oder nicht: Kurz nach der IWF-Tagung erreicht Chinas Währung den höchsten Stand seit Jahren. Notenbankchef Zhou räumt erstmals eine Arbeitslosigkeit von mehr als neun Prozent ein - und empfiehlt im Währungsstreit metaphorisch traditionelle chinesische Medizin.
Chinas Notenbankchef Zhou Xiaochuan hat sich für eine maßvolle und behutsame Aufwertung der heimischen Währung Renminbi ausgesprochen. Raschen Änderungen, oder einer "Schocktherapie", erteilte er eine Absage. Das Land widersetzt sich damit weiter Forderungen seiner Handelspartner, insbesondere der USA, nach einer schnellen Aufwertung.
Zhou Xiaochuan   Zhou Xiaochuan
"China möchte ein Gleichgewicht zwischen heimischer und externer Nachfrage schrittweise erreichen", sagte Zhou am Sonntag am Rande des Jahrestreffens des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. Die Stärke des Renminbi hänge ab von einer sorgfältigen Abwägung verschiedener ökonomischer Faktoren wie Inflation, Wachstum und des "sensiblen Themas" Arbeitslosigkeit. Zhou verwies darauf, dass die Arbeitslosenquote in China bei mehr als neun Prozent liege. Offiziell lag die Zahl zwar Ende Juni bei 4,2 Prozent. Dieser Wert berücksichtige aber nicht die Millionen von Wanderarbeitern, die ohne Arbeit seien. Premier Wen Jiabao hatte bereits gewarnt, eine starke Aufwertung könne zu größeren sozialen Unruhen führen.
Die USA und andere Länder werfen der Volksrepublik bereits seit längerem vor, den Renminbi künstlich niedrig zu halten und so der chinesischen Exportindustrie unfaire Vorteile zu verschaffen. In den vergangenen Wochen hat sich der Konflikt verschärft. Gleichzeitig warnen Politiker und Regulierer vor einem Währungskrieg, da eine Reihe von Ländern eingreift, um die eigene Währung niedrig zu halten oder eine Abwertung duldet. Die wichtigsten Länder der Welt schafften es bei der IWF-Tagung am Wochenende nicht, konkrete Beschlüsse zur Vermeidung einer Eskalation oder einem gemeinsamen Vorgehen zu verabschieden.
Alleingänge wie der von Japan, das sich mit Interventionen gegen die Aufwertung des Yen stemmt, machen es schwerer, die Chinesen in Zugzwang zu bringen. Das Land hat zwar Zugeständnisse gemacht. So lockerte Peking im Juni die Bindung des Renminbi an den Dollar. Seitdem hat die Währung zum Greenback allerdings lediglich rund zwei Prozent zugelegt. Am Montag kletterte der Renminbi im frühen Handel auf 6,6645 je Dollar und damit den höchsten Stand seit einer großen Neubewertung im Juli 2005.
Zhou verglich die unterschiedlichen Meinungen in der Währungspolitik mit verschiedenen Herangehensweisen in der Medizin. Die Wechselkursdebatte sei wie ein Wettstreit zwischen westlichen "Tabletten, die das Problem über Nacht lösen", und Behandlungen im Sinne der chinesischen Heilkunde, die "zehn Kräuter zusammenrührt, die das Problem nicht über Nacht, aber vielleicht in ein oder zwei Monaten lösen".
  • FTD.de, 11.10.2010
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