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Merken   Drucken   11.12.2008, 10:57 Schriftgröße: AAA

Streit um Rettungsmilliarden: Einer Million US-Bürgern droht Hausverlust  

Erst rügt der US-Rechnungshof Finanzminister Paulson für mangelnde Kontrolle des 700-Mrd.-$-Pakets, jetzt könnte der US-Kongress gar weitere Gelder blockieren. Doch die Zeit drängt: Die Situation auf dem amerikanischen Häusermarkt spitzt sich dramatisch zu. von Tobias Bayer (Frankfurt)
Den USA droht im Kampf gegen den Hauspreisverfall und die steigende Zahl von Zwangsvollstreckungen die Zeit wegzulaufen. Nach Ansicht des Datendienstleisters Realtytrac droht im kommenden Jahr einer Million Amerikanern der Verlust der eigenen vier Wände.
Im November legte die Zahl der angekündigten Zwangsvollstreckung um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 259.085 zu. Diese Zahl könnte 2009 auf monatlich mehr als 300.000 steigen, so Realtytrac. Die Zahl der tatsächlich auf die Banken übertragenen Häuser würde so wahrscheinlich von 880.000 dieses Jahr auf eine Million anwachsen. "Wir werden einen schweren Sturm erleben", sagte Rick Sharga, Experte bei Realtytrac, in einem Interview.
Die Krise auf dem Immobilienmarkt steht im Zentrum der Marktturbulenzen. Seit dem Höhepunkt des Hausbooms Mitte 2006 brachen die Preise in den 20 größten Metropolen um rund ein Fünftel ein. Die Folge davon ist einerseits, dass mehr und mehr Menschen ihren Hypothekenverbindlichkeiten nicht nachkommen. Andererseits führt das dazu, dass auf die kreditgebenden Banken Abschreibungen in Milliardenhöhe zukommen könnten.
Die gesamte Finanzindustrie leidet darunter, beispielweise auch die Kreditkartenbranche. Konnten die Amerikaner früher noch Eigenkapital an den Immobilien in Bargeld umwandeln, so nutzen sie inzwischen verstärkt die Kreditkarte für Konsumausgaben. Auch hier steigt der Abschreibungsbedarf. Bei Schuldnern, die 60 bis 89 Tage hinter ihren Zahlungsverpflichtungen zurückbleiben, dürften bis zu zwanzig Prozent ausfallen, schätzt die Beratungsgesellschaft Auriemma Consulting Group. Das ist rund ein Drittel mehr als im Vorjahr. Lag die gesamte Wertberichtungsqote noch bei sechs Prozent, so wird für das vierte Quartal eine wesentlich höhere Ziffer erwartet.

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